470 Ein deutſcher Mann unter den Wilden Südamerika's.
hatten. Er war halb roh.„Ich griff zu, ſo ſehr mich auch dieſe ungewohnte Mahlzeit Ueberwindung koſtete, aber ein Beifallsgelächter der Umgebung verſüßte mir meine Anſtrengung. Bald hörte ich ſie ſprechen: der Pater iſt kein Ausländer, er ſcheint wirklich unſerm Volk anzugehören.“ Seitdem ſchloſſen ſie ſich noch inniger an ihn an.
Die Kinder der Wilden hatten keine andere Kleidung, als eine Art Schürze von Rehfell; er gewöhnte ſie an blaue Baumwollenhemden. Sie beſuchten die Schule fleißig. Die Eltern hatten bisher keinen Anſtand genommen, diejenigen ihrer Kinder, welche ihnen nicht gefielen, zu ermorden. Dieſem gräßlichen Brauche machte Pauke ein Ende; Zureden und Ueberwachen halfen. Er that noch mehr; er gewöhnte ſie im Genuß geiſtiger Getränke mäßiger zu werden. Die befreundeten Stämme pflegten einander zu be⸗ ſuchen; die ganze Nacht hindurch tranken ſie und überſchrieen das Getöſe ihrer Trommeln und Blasinſtrumente. Selbſt die Miſſionäre wagten dann nicht ſich den Raſenden zu nähern, die ſich gewöhnlich am Morgen eine blutige Schlacht lieferten. Einſt wurde ein Gaſt mit der Lanze durchbohrt; er blieb mit herausgetriebenen Eingeweiden liegen. Pauke eilte hinzu, um ihm die Nothtaufe zu geben. Gleich darauf nähte er die Wunde zu, trug den beinahe Sterbenden in ſeine Wohnung und ſtellte den kräftigen In⸗
dianer in vierzehn Tagen durch Umſchläge von warmem Wein und Ros⸗
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marin wieder her. Der Miſſionär gewann nach und nach ſo großen Einfluß, daß er ſogar die ſo tief mit den Sitten und Anſichten der Indianer ver— wachſene Blutrache abſchaffen konnte.
Allmählig wuchs die Zahl der Wilden, welche ſich zu einem ſeßhaften Leben verſtanden, mehr und mehr an, und es hätte im Intereſſe der ſpani⸗ ſchen Behörden gelegen, die Anſiedelung nach Kräften zu unterſtützen. Der Gouverneur von Buenos Ayres ſchickte aber nicht einmal Hornvieh. Pauke erhielt dergleichen von den mehrere hundert Stunden von Santa Fé ent⸗ fernt liegenden Jeſuitenmiſſionen im Lande der Guaranis, die auch Tabak, Paraguaythee und Baumwolle ſchickten. Dafür wurden den Guaranis 73 Kinder zurückerſtattet, welche ihnen früher von den Mokobis geraubt wor⸗ den waren.— Die Rückfälle zur Trunkſucht machten dem eifrigen Miſſionär recht oft das Leben ſauer; doch gelang es ihm, den Mordthaten zu ſteuern, denn er wußte es dahin zu bringen, daß vor Anbeginn eines Trinkgelages alle Waffen auf die Seite geſchafft werden mußten. Einſt improviſirte ein Betrunkener folgenden Geſang:„Höret, ihr Patres, ihr verbietet uns das
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