468 Ein deutſcher Mann unter den Wilden Südamerika's
beſchwerlicher Wanderung ruft ihm das Glöckchen des kleines Dorfes ein Willkommen zu; ein ſteinalter Miſſionär, Pater Franz Burges, ſchließt ihn brüderlich in die Arme und ſagt mit Thränen:„Habe Muth und Ge⸗ nügſamkeit.“— Pauke bemerkt lakoniſch:„Ich ſah bald, daß ich ſie nöthig hatte. Muth, ſagte ich zu mir ſelbſt, als ich meine Wohnung betrat, eine elende Hütte, ein mit Thierhäuten umzogenes und überſpanntes Vier⸗ eck.“ Er findet die Kirche im Verfall; aber er iſt in allen Handwerken erfahren. Alſo verfertigt er einen Altar aus Leder, ſpannt Häute auf dicke Holzrahmen, ſchabt die Haare ab, ſchneidet Figuren ein, denen er gefärbtes Papier unterlegt, überzieht die Haut mit Leimwaſſer, ſtreuet zerſtoßenes Glas darüber, und hat nun einen Altar, über den die Indianer jauchzen.
Dieſe Mokobis waren früher erbitterte Feinde der grauſamen und treuloſen Spanier geweſen; vergeblich war alles aufgeboten worden, dieſe mißhandelten Wilden zu bändigen. Endlich übernahm Pater Burges die ſchwierige Aufgabe. Das Anerbieten, ſich von Soldaten begleiten zu laſſen, wies er entſchieden zurück; er ging mit zwei andern Jeſuiten unbewaffnet. Der Kazike erklärte: die Spanier ſeien„treuloſe Menſchen, welche unter freundſchaftlichen Worten Tigerſinn verbergen.“ Derſelbe Kazike wurde bei einem Raubzug getödtet, und Cithaalin, der Bruder deſſelben, am Ende Paukes Freund. Für ihn und ſeinen Stamm errichtete man eine„Redusc⸗ tion.“ Weit und breit jubelten die Spanier, daß ſich endlich jemand gefun⸗ den hatte, der ein ſo gefährliches und ſtreitbares Volk zur Ruhe bringen wollte; ſie ſchenkten in ihrer Herzensfreude dem Pater als Ausſtattung für das projektirte Indianerdorf dreitauſend Stück Hornvieh und einige hundert Pferde. Aber grade die Spanier waren es, welche allerorten die neube⸗ gründeten Miſſionen in Gefahr brachten; ſie lebten ſtets in ſchlechteſtem Einvernehmen mit den Indianern. Was war natürlicher, als daß die Miſ⸗ ſionäre ſo gefährliche Einflüſſe abzuhalten ſuchten? Sie muften ſchon im Intereſſe der Selbſterhaltung ihrer Gemeinden die Einmiſchungen der Spa⸗ nier zurückwieſen.
Burges verlegte ſein Dorf an einen andern Platz, um weiter won den Spaniern entfernt zu ſein. Er wählte eine Inſel im Paranaſtrom. Eben war die Kirche aufgebaut und es ſtanden ſchon einige Häuſer; da brach Feuer aus und man mufte von vorne anfangen. Nach etwa ſechs Monaten ſtand das Dorf; aber der Strom ſchwoll an, überſchwemmte die Inſel und die Bewohner mußten vierzig Tage lang auf einer Anhöhe verweilen. Vom


