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Von Adolf Stahr. 461
nannten Tricliniums, und ſie beſitzt das Ausgezeichnete, daß das Hauptbild, welches die andern gleichſam zu illuſtriren beſtimmt iſt, Figuren von lebens⸗ großen Dimenſionen zeigt, dergleichen bisher nur ſehr wenige, ich meine kaum drei bis vier oder fünf, aufgefunden worden ſind. Dies Hauptbild ſtellt Herkules bei der Omphale vor. Die Sage von dem Aufenthalte des griechiſchen Nationalheros bei der ſchönen Lydiſchen Königswittwe iſt eine der jüngſten in dem buntgeſtickten Sagengewebe, das die Heldengeſtalt des thatenreichen Götterſohns umgibt, dem die Frauen im Himmel und auf Erden ſein Lebenlang ſo viel Mühſal und Noth bereitet. Der ſchönen Omphale hatte er ſich in Knechtſchaft gegeben, um irgend eine Schuld abzubüßen, und die römiſchen Dichter der Auguſtiſchen Zeit wiſſen da⸗ von zu ſingen, wie der rieſige Götterſohn in dieſer Dienſtbarkeit zu Zeiten ſelbſt zum Weibe herabſank, und„eingehüllt in das mit Sandyr gefärbte Frauen⸗ gewand“ zu Omphales Füßen Wolle ſpann, während ſeine Beherrſcherin, angethan mit Löwenhaut und Keule, einherſtolzirte. Den römiſchen Dich⸗ tern und der römiſchen Welt jener Zeit lag freilich dieſer Stoff ganz beſon⸗ ders nahe. Hatte doch vor ihren Augen ein ähnliches Schauſpiel in voller Wirklichkeit die Welt mit Staunen und die ſtolzen Römer mit Entſetzen erfüllt; hatten ſie doch den Tapferſten der Tapfern, den heldenkühnen An⸗ tonius, in ganz ähnlicher Weiſe wie ſeinen mythiſchen Ahnherrn, von dem zu ſtammen er ſich rühmte, in den Feſſeln der ſchönen Zauberin am Nil zum Weibe werden ſehen. Was Wunder, daß auch die bildende Kunſt nicht zurückblieb und daß„Herkules bei Omphale“ ein Lieblingsgegenſtand der Maler jener Zeit wurde, für welche grade dieſes Süjet einen doppelt pikanten Reiz beſaß. So ſah ich denn auch im Kapitoliniſchen Muſeum zu Rom auf einem Moſaikgemälde den ſpinnenden Herkules und in den Samm⸗ lungen des Muſeo Borbonico in Neapel die bekannte Farneſiſche Gruppe als Ueberreſte ſolcher Darſtellungen der bildenden Kunſt römiſcher Zeit. Zu ihnen geſellt ſich jetzt das von Profeſſor Zahn kopirte Pompejaniſche Wandgemälde in einer Ausführlichkeit und Schönheit, wie ſie in keiner an⸗ dern vorkommt. Der Heros halbnackt, das Haupt mit Weinlaub umkränzt, den Hals umgeben von einem ſchmückenden Reife, in der ringegeſchmückten Linken den feſtlichen Thyrſusſtab, ſteht vor uns in ſehnſüchtiger Trunkenheit, den rechten Arm um den Nacken eines Dieners geſchlungen, der in einem Rehfelle Trauben und Früchte trägt, auf welche die Hand des Gewaltigen niederhängt, denn augenſcheinlich gilt es die Feier eines bacchiſchen Feſtes.


