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Von F. W. Hackländer. 257
bat, das Spiel jetzt zu unterlaſſen, da es bereits neun Uhr ſei und zu ſpät, um jetzt noch Derartiges zu treiben.„Ich will aber noch nicht ſchlafen!“ entgegnete der Kranke,„meinetwegen will ich die Kugeln liegen laſſen, aber dann eine andere Unterhaltung haben.“
Der Hüter, welcher zufrieden war, daß der Parorismus von vorhin ſo glücklich und leicht ſich gelegt hatte, mochte nun auch nicht darauf beſtehen, den Kranken in's Bett zu bringen, und ſagte:„Nun, mir ſoll es auf eine Stunde weiter nicht ankommen; ich will Sie ſogar noch eine Zeit lang unterhalten, wenn Sie gut und ruhig ſein wollen. Wünſchen Sie etwas zu ſpielen?“— Der junge Mann, der hoch aufgerichtet im Zimmer ſtand und jede Miene ſeines Hüters aufmerkſam betrachtete, fragte mit einem lauernden Blicke:„Wo iſt das Schachbrett?“—„Dort auf dem Neben⸗ tiſche,“ entgegnete Herr Krämer.— Der Kranke zuckte mißmuthig mit den Achſeln.„Ach nein,“ ſagte er,„warum mit den Schachfiguren ſpielen? Das ſind arme Gefangene wie ich, ſie können nur ihre vorgeſchriebenen Schritte thun und dürfen nicht rechts noch links; das eckelt mich an. Wo ſind meine Federbälle? Das fliegt, wohin es Luſt hat.“—„Ah!“ meinte der Hüter,„wie kann man Ball ſchlagen bei Licht! Warten Sie bis mor⸗ gen früh!“—„Wo ſind meine Federbälle?“ fragte der junge Mann mit demſelben eigenthümlich lauernden Blicke wie vorhin.—„Dort in dem Wandſchranke, glaube ich.“—„So will ich damit ſpielen!“ Bei dieſen Worten preßte der Kranke die Lippen heftig aufeinander.
Herr Krämer, der es vorzog, lieber eine halbe Stunde Ball zu ſchla⸗ gen, als eine ganze unruhige Nacht durchmachen zu müſſen, wie das ſchon bei ähnlichen Veranlaſſungen vorgekommen war, ging nach der Ecke des Zimmers, wo ſich der bezeichnete Wandſchrank befand. Derſelbe war ſehr tief und in einem Winkel angebracht, den die Mauern des Nebenzimmers, mit dem dieſes Gemach verbunden war, bildeten; verſchloſſen war er durch eine Thüre mit einem kunſtvoll gearbeiteten feſten Schloß. Der Hüter öff⸗ nete denſelben und bückte ſich brummend nieder, um Bälle und Raquette herauszulangen.
Der Baron ſtand in der Mitte des Zimmers und hatte die rechte Hand auf den großen Tiſch geſtützt, während er die Nägel ſeiner linken aufmerk⸗ ſam zu betrachten ſchien;— ſchien ſagen wir, denn in Wahrheit verfolgten ſeine Blicke mit größter Aufmerkſamkeit die Bewegungen ſeines Wärters. Kaum hatte ſich derſelbe niedergebückt und befand ſich mit dem Oberkörper
Hausblätter. Jahrg. 1855. III. Bd. 17


