Ein Schickſal.
in dem Wandſchrank, als der junge Mann mit einem einzigen Sprunge zu hinter ihm war, ihn mit Rieſenkraft in den dunklen Raum warf, die Thüre all zuſtieß und den Schlüſſel umdrehte. Das alles war das Werk einer Se⸗ 5
kunde und der Ueberfall ſo plötzlich und unerwartet gekommen, daß Herr Krämer während demſelben nicht einmal einen Schrei ausſtieß. Nachdem ſch die ſchwere Thüre aber einmal verſchloſſen, war ſein Rufen ſelbſt in dem des Gemache nur dumpf zu vernehmen. ſu Einen Augenblick blieb der junge Mann wie überraſcht vor der Thüre 1 ſtehen, dann lächelte er eigenthümlich und ſagte zu ſich ſelber:„Ruhig, S ruhig— ruhig,“ während er, wie um ſeine Gedanken feſtzuhalten, beide e Hände feſt an den Kopf drückte. Indem fing der eingeſchloſſene Wächter an de zu rufen und zu poltern; man vernahm deutlich ſeine grobe Stimme:„Was N ſoll das heißen?— Wollen Sie augenblicklich öffnen?— Nehmen Sie ſich u in acht, das ſoll Ihnen theuer zu ſtehen kommen! Auf meine Ehre ſchwöre ſi ich Ihnen! vier Wochen lang ſollen Sie nicht Sonne und Mond ſehen, t auch nicht den geringſten Lichtſtrahl.“ 5 Kopfnickend horchte der Baron auf die Stimme ſeines Feindes, und g ſtatt aller Antwort drehte er den Schlüſſel in dem Schloſſe nochmals her⸗ 3 um, zog ihn dann ab und warf ihn in die Kaminglut; dann beſann er ſich zu einen Augenblick und verſchloß darauf auch die Thüre, die auf den Korridor 3 führte und zu welcher Frangvis hinausgegangen war. Nun fühlte er ſich 6 frei und ſagte ſich das zehnmal nach einander mit tiefen Athemzügen.
„Frei! frei! frei?“ jubelte er aus voller Bruſt; dann begann er zu über⸗ legen, wie die gewonnene Freiheit am beſten zu benutzen ſei, und um dar⸗ g über nachdenken zu können, ſetzte er ſich in den Lehnſtuhl ſeines Wärters am m Kamin und blickte in die glühenden Kohlen, wobei aber ſeine Geſichtszüge auf eine erſchreckende Art beſtändig wechſelten. Jetzt ſchien er zufrieden mit dem, was er gethan, gleich darauf ſchaute er überraſcht um ſich und ſchien erſchrocken, ſich ſo allein im Zimmer zu ſehen; dann verſank er wieder in 2 tiefes Nachſinnen. Am räthlichſten erſchien es ihm nach einer Weile, Stühle und Tiſche zuſammenzutragen und ein Feuer darunter zu machen, um in dem Tumulte, der dann nothwendig entſtehen müſſe, das Haus zu verlaſſen. 6 Gleich darauf wollte er das Fenſter öffnen und auf die Straße hinaus um Hülfe rufen, doch verwarf er das kopfſchüttelnd und lauſchte dann wieder⸗. aufmerkſam nach dem Wandſchranke hin, wo der eingeſperrte Hüter ſchon. r
längſt angefangen hatte, gelinde Saiten aufzuziehen und freundliche Worte


