Jahrgang 
1855
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Von F. W. Hackländer. 255

den Pfropfen mit der Handfläche in die leere Flaſche und entfernte ſich mit leiſem Schritt.

Der Baron Breda ſtand am Fenſter und hatte die Stirne an die kalten Scheiben gedrückt, nun wandte er ſich mit einemmale raſch herum. Wiſſen Sie was, Gerard, ſagte er mit lauter Stimme,ich habe das Leben hier in dem Zimmer ſatt und will hinaus. Teufel auch! ein junger Mann von meinem Alter braucht nicht gehütet zu werden wie ein kleines Kind, und keinen Wärter wie Sie ſind. Statt aller Antwort zuckte Herr Krämer mit den Achſeln und blickte lächelnd vor ſich hin in die Kaminglut. Der junge Mann ſchaute ihn ein paar Sekunden mit weit geöffneten Augen an, dann ſeufzte er ſchmerzlich auf, legte die Hand an die Stirne und ballte ſie gleich darauf wie im heftigen Zorn. Doch ging das wieder vorüber, wie es gekommen, worauf ſich der Kranke abermals ein paar Schritte dem Ka⸗ min näherte und dann mit ſanfter, ſchmeichelnder Stimme ſagte:Lieber Gerard, wir kennen uns doch ſchon ziemlich lange, ich glaube ſeit jenem un⸗ glücklichen Tage, wo ich zu Bette liegen mußte. Ganz richtig, mir wird es ſo ſchwer, eine Erinnerung feſtzuhalten, fuhr er nach einer kleinen Pauſe fort, während welcher er ſeine Augen mit der Hand bedeckt hatte.Sie ſagten mir öfters, Sie ſeien mein ganz ergebener Diener.

Allerdings habe ich das oft geſagt und meine es auch ehrlich; Ihnen fehlt auch nichts, ich bin ja beſorgt für Sie, wie man es nur ſein kann. O ja, zu viel, murmelte der junge Mann,aber was wollte ich doch ſagen? das Gitter, das verfluchte Gitter! es läßt meine Gedanken nicht hinaus. O, ich habe ſchöne Gedanken, Gerard, gute Gedanken, und auch für Sie. Bei dieſen Worten war er ganz nah an den Lehnſtuhl getreten, an welchem der Hüter ſaß, der vollkommen gleichgültig ſchien und auch nicht eine Miene machte, den Kopf herumzudrehen. Dagegen blickte er aufmerk⸗ ſam in das Spiegelglas vor ſich, auf welche Art er die geringſte Bewegung des Kranken zu überwachen im Stande war.Gerard, fuhr dieſer fort, ich bin der Herr dieſes Hauſes, laßt dieſes elende Spiel aufhören. Warum bewacht man mich? Warum läßt man mich nicht frei ziehen? Wiſſen Sie was, Gerard, ſetzte er flüſternd hinzu,wir wollen zuſammen fliehen in die weite Welt hinaus; Sie machen mich frei, ich mache Sie reich. O hinaus! hinaus! immer weiter! durch Thäler über Berge, daß ich den weißen, garſtigen Schnee nicht mehr ſehe. Denken Sie, Gerard, welches Entzücken, welch Vergnügen, wenn des weißen kalten Schnees immer weniger