248 Ein Schickſal.
Parterreſtocks, wo der alte Graf Heeren mit dem Hausarzte erſchien.— Daß ich den Jammer mit wenig Worten ſage: die junge Gräfin hatte während des Ankleidens einen Anfall gehabt, ſie war zuſammengeſchaudert, als man ihr Schleier und Kranz brachte, ſie hatte geweint und gefleht, ſie nicht zum Tode zu ſchmücken, dann war ſie ohnmächtig geworden, und jetzt lag ſie ſtill brütend in einem Fauteuil und fuhr jeden Augenblick erſchreckt in die Höhe, indem ſie fürchtete, ihn, den ſie ſo ſehr geliebt, kommen zu hören. Er durfte ſie nicht einmal ſehen und fuhr in ſchrecklicher Bewegung nach Hauſe. Der Herr Baron Paul, obgleich er ihn zu tröſten verſuchte, war doch anfänglich ſehr karg mit ſeinen Antworten auf die ſtürmiſchen Fragen ſeines Vetters; dieſer wollte des Andern Vermuthungen hören über den furchtbaren Vorfall, und je verſchloſſener derſelbe blieb, deſto mehr drang der junge Herr in ihn. Was ſie eigentlich zuſammen geſprochen, das hat nie jemand erfahren; ſo ein heftiger, aufgeregter junger Mann wie der Baron war wohl im Stande, den ruhigeren Vetter ſo lange zu quälen, bis er vielleicht ſeiner Anſicht, ſeiner Befürchtung, ſeiner firen Idee, Eliſe liebe ihn nicht mehr, beitrat. Was weiß ich, genug, ein Wort gab das andere; laß dich zehn⸗ und hundertmal von einem Exaltirten fragen: warum liebt mich dieſes Mädchen nicht mehr? ſo wirſt du ihm auch zur Antwort geben: vielleicht hat ſie dich nie ſo recht von Herzen gemocht, vielleicht zieht ſie einen Andren vor,— der Blitzſtrahl in ein Pulverfaß. Was half alles Ver⸗ nunftpredigen! Der junge Baron hatte nur einen Gedanken: wer? wer? wer? Und wenn man eifrig ſucht, ſo findet man.— Wohl hatte vielleicht der Baron Paul,“ ſetzte Herr Krämer nach einer kleinen Pauſe mit kaum vernehmlicher Stimme hinzu,„mit ſuchen helfen, wer weiß das? Vor dem alten Herrn wurden dieſe Sachen natürlicherweiſe heimlich betrieben, genug, an einem ſchönen Abend brachte Baron Paul unſeren jungen Herrn ſchwer verwundet nach Hauſe. Mit einem Herrn von W. hatte er ſich auf Säbel geſchlagen, hatte ſeinen Gegner tief in die Bruſt gehauen, ſelbſt aber einen Hieb in den Kopf erhalten, an dem er Monate lang zu Bette lag. Die Wunde heilte endlich zu, als aber der unglückliche junge Herr zum erſtenmal wieder aufſtand, war er in dem Zuſtande, in dem er ſich jetzt befindet.— Doch ruhig, er ſteht auf.“—„Und Gräfin Eliſe,“ flüſterte Frangois, „was ward mit ihr?“
„B——8— 6t!“ machte Herr Krämer, wobei ſein Geſicht plötzlich einen ganz andren, ſehr ernſten Ausdruck annahm, während er ſich in ſeinem
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