Jahrgang 
1855
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Von F. W. Hackländer. 247

und ſchon ſeit einem halben Jahre mich damit beſchäftigte, alles in den ge⸗ hörigen Stand zu ſetzen, ich hätte mir nicht träumen laſſen, jetzt mein gegen⸗ wärtiges Amt verſehen zu müſſen. Die Stelle eines Haushofmeiſters iſt ein ſchöner, angenehmer Poſten, man kann ſich überall umthun, man lebt frei und behaglich, kann ohne Scheu von der Gabe Gottes eſſen und trin⸗ ken, allen möglichen Leuten gefällig ſein und darum auch wieder auf die Gefälligkeit Anderer rechnen. Ach, es iſt traurig, hier nun den ganzen Tag eingeſperrt zu ſein! Freilich bin ich nicht ſchlecht geſtellt, Ihr könnt das an Euch abmeſſen, lieber Frangvis, aber die Freiheit! die Freiheit! Frangvis legte ſein Mitgefühl für den unmittelbaren Vorgeſetzten da⸗ durch an den Tag, daß er ſeine Unterlippe betrübt herunterhängen ließ; weil aber die Augenbrauen trotz ſeiner Anſtrengung nicht aufhörten, höchſt erſtaunt auszuſehen, ſo bekam dadurch der Kopf etwas ungemein Komiſches. Was nicht iſt, kann noch werden, meinte er nach einer Weile.So kön⸗ nen die Sachen hier doch nicht fortgehen, und wenn der Herr Baron Paul, ſetzte er flüſternd hinzu,das Haus antritt, ſo kann es Ihnen nicht fehlen. Herr Krämer antwortete mit einem tiefen Seufzer, und nachdem er vorſichtig in den Spiegel geſchaut und ſich überzeugt, daß der junge Herr im Nebenzimmer noch immer in derſelben Stellung verharre, fuhr er in der

Erzählung fort und ſagte:Alle dieſe Reden von der Aufſchiebung der

Hochzeit hatten auf das Gemüth der jungen Gräfin ſehr nachtheilig einge⸗ wirkt; ich kann Euch das nicht ſo erklären, aber ich hörte ſpäter den Doctor mit dem alten Baron darüber reden, und der ſagte was von ahnungsvollem Bangen, was ein junges Mädchenherz bewege, von Gemüthsbewegung und gewaltigem Nervenreiz, kurz von einem Zuſtande, den man durchaus nicht ſteigern dürfe, um nicht die nachtheiligſten und ſchrecklichſten Folgen zu er⸗ leben. Am beſtimmten Tage nun fuhr unſer Herr mit dem Baron Paul, der ſein Brautführer war, zu Heerens. Wie war er ſo vergnügt, als ich ihm beim Anziehen half, ja vergnügt, aber doch ſchrecklich aufgeregt.Siehſt du, ſagte er zu mir,wie meine Hand zittert, und doch halte ich nur ein Glas Waſſer, dieſe Hand, die ſonſt nicht die geringſte Bewegung machte, wenn ich den ſchwerſten Säbel minutenlang in ihr ausgeſtreckt hielt. Das thut die Freude. So kam er nun bei ſeiner Braut an, oder vielmehr im Hauſe derſelben, aber ſtatt lachender, freudiger Geſichter, wie ſie einen Bräutigam empfangen ſollen, bemerkte er zerſtörte Mienen, ängſtliches Hin⸗ und Herlaufen; ſtatt zu Eliſen führte man ihn in ein Zimmer des