Jahrgang 
1855
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246 Ein Schickſal.

gut ſein laſſen; Gott! ſo ein junges Mädchen ſtirbt nicht am Heirathen. Aber nein, da hatten ſie keine Ruhe, namentlich die Gräfin Mutter, ſie meinte, ihr würde es gelingen, den jungen Herrn nachgiebig zu machen. Ja, gehorſamer Diener! was ſie erreichten, war, daß ſich bei ihm die fire Idee feſtſetzte, Eliſe liebe ihn nicht mehr, und als deren Mutter nun auch das Mädchen ſelbſt beſtimmte, mit ihrem Vorlobten darüber zu ſprechen, hätte es bald einen Eclat gegeben; er rannte wie wahnſinnig nach Hauſe, ſie ſtürzte der Gräfin weinend in die Arme, und da war nichts Andres zu machen, als den Hochzeitstag ſo bald wie möglich zu beſtimmen.

Man hätte Eines oder das Andere auf Reiſen ſchicken ſollen, meinte Frangois. Herr Krämer zuckte mit den Achſeln, ließ ſich ein neues Glas Wein eingießen, um ſeine vom mühſamen leiſen Sprechen trocken gewordene Kehle anzufeuchten, und ſagte dann nach einer Pauſe:Unſereins ſieht frei⸗ lich oft ſchärfer als die da droben, aber ſie glauben's nicht; wäre ich nicht da⸗ mals noch ganz fremd im Hauſe geweſen, hätte ich mir ſchon ein vernünftiges Wort erlaubt. Nun der Hochzeitstag kam heran, doch ehe ich von dem⸗ ſelben ſpreche, muß ich noch des andern jungen Herrn im Hauſe erwähnen.

Ah, des Neffen von Herrn Eugen, des Herrn Paul! Herr Krä⸗ mer nickte mit dem Kopfe, dann fuhr er fort:Geſchwiſterkind des alten Herrn Baron, und nun, da es Gott ſo gewollt, muthmaßlicher Erbe des

ganzen ungeheuren Vermögens.Ein braver Herr! ſagte Frangois begeiſtert.Ein vollkommener Cavalier, freigebig, und weiß ſeine Leute //

nach Verdienſt zu behandeln. Der Bediente neigte demüthig ſeinen Kopf, der Andere ſchaute mit vielſagendem Blicke in die Höhe und bemerkte ruhig, aber ausdrucksvoll:jetzt unſer Herr! Jugend hat nicht Tugend, fuhr er nach einer Pauſe in leichtem gefälligem Tone fort.Herr Baron Paul war allerdings weniger lebhaft und wild, als der junge gnädige Herr, aber er iſt auch um mehrere Jahre älter, hat ſein Leben genoſſen und, wie er ſagt, die Weiber kennen gelernt. Wir Beide, Frangois, wollen es ihm nicht übel nehmen, daß er ſich den Wunſch der Gräfin Heeren auf ſeine Art auslegte. Er zuckte die Achſeln darüber und lachte ſo vor ſich hin; wenn ich mich unterſtehen dürfte, über einen Angehörigen unſeres Hauſes meine offenherzige Meinung zu äußern, ſo würde ich ſagen, er hätte das allenfalls bleiben laſſen können, aber du mein Gott! man ſagt etwas und meint es nicht ſo böſe. Genug, der Hochzeitstag kam heran. Seht Ihr, lieber Fran⸗ gvis, ich, der ich zum Haushofmeiſter für das junge Paar angenommen war