Jahrgang 
1855
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244 Ein Schickſal.

das Zimmer und komme zurück, ſo finde ich dieſen oder jenen neugierig her⸗ einlugen oder gar in Unterredungen mit dem Herrn. Du lieber Gott! ſetzte er ſcheinheilig hinzu, während er gen Himmel blickte,wenn ich Unter⸗ redungen ſage, ſo meine ich Worte, die man an ihn hinſpricht, und worauf er leider Gottes keine zuſammenhängende Antwort geben kann. Deßhalb habe ich auch Euren Vorgänger entfernt und ich hoffe, Frangvis, Ihr werdet Dankbarkeitsgefühl genug haben, oder wenigſtens auf Euren Vortheil be⸗ dacht ſein, um ſo feſt als möglich an mich zu halten.

Der Bediente verbeugte ſich ehrerbietig und neigte dabei den Kopf ſo tief gegen den Andern herab, als wollte er die Füße oder wenigſtens die Hände küſſen, dann ſagte er:Was das Feſthalten anbelangt, Herr Krä⸗ mer, ſo werden Sie von mir überzeugt ſein, daß, wo ich einmal im Dienſt bin, ich auch treu diene. Damit legte er die Hand auf ſein Herz und blickte mit einer ehrlich ſein ſollenden Miene an die Zimmerdecke. Dieſes Geſicht ſchien aber nicht zum Ehrlichausſehen geſchaffen zu ſein, es war vielmehr eine wahre Gauner⸗Phyſiognomie, aber kein ehrlicher Spitzbubenkvpf mit trotzigem Mund oder zuſammengekniffenen Lippen und böſen, ſtechenden Augen, ſondern dies Geſicht hier war ſo nichtsſagend und ſchlecht, ſchlaff und feige, daß ein Menſchenkenner augenblicklich wußte, er habe es mit einem Subjecte zu thun, welches vielleicht vor offenem Raub und Einbruch zurück⸗ ſchaudere, dagegen zu feigem Betrug, zu Fälſchung und Schwindeleien aller Art ſtets bereit ſei. Das Geſicht des Bedienten war lang, ſchmal und bleich, und das einzige Beſondere in demſelben waren ſo hochgewölbte Augenbrauen, daß es ſchien, Frangvis betrachte alle Dinge umher ſtets mit der größten Verwunderung.

Herr Krämer ſchüttelte ruhig die Krumen von der Serdiette auf ſeinem Schooß und reichte dann dieſelbe Frangvis, welcher ſie in ehrerbieti⸗ ger Haltung zuſammenfaltete und dann liſpelnd ſagte:Wäre es vielleicht unbeſcheiden von mir, wenn ich den Herrn Krämer um einige Aufſchlüſſe über das erſuchte, was ich ſeit acht Tagen hier vor mir ſehe und nicht recht begreife? Vielleicht könnte es für meinen Dienſt nicht ſchaden, wenn ich erführe was ich erfahren ſoll, ſetzte er mit geſenktem Kopfe hinzu. Gewiß, erwiderte der Andere,ich habe ſchon daran gedacht. Was macht der Herr? Frangvis warf einen Blick in den Spiegel, der ſich über dem Kamin befand, und da dies uns ebenfalls nicht verwehrt iſt, ſo bemerken wir, daß dieſer Spiegel aus mehreren Stücken beſteht und kreisförmig aus⸗

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