Von F. W. Hackländer. 243
tigkeit handhaben könnte. Nicht weit von dem Tiſche in der Mitte befindet ſich ein anderer kleinerer Tiſch, er iſt mit einem weißen Tuch bedeckt, und aus unordentlich durcheinander ſtehenden Tellern und Gläſern mit den Reſten von Speiſen und Getränken, ſowie aus den darüber hingeworfenen Servietten ſehen wir, daß dort vor kurzer Zeit jemand vom Souper aufge⸗ ſtanden iſt. Auffallend iſt es, daß wir auf dieſem Tiſche weder Meſſer noch Gabeln ſehen, ſondern nur elfenbeinerne Löffel von verſchiedener Größe.
Dieſes Gemach iſt erhellt von mehreren Carcelllampen, die da und dort ſtehen, ſowie von einem tüchtigen Feuer, welches im Kamin brennt. Vor dieſem Kamine zeigt ſich ein großer geſchnitzter Lehnſtuhl, und in dem⸗ ſelben ſitzt ein Mann von ungefähr vierzig Jahren mit einem runden, fetten Geſichte, in dem ſich lebhafte Augen befinden, und das faſt immer von einem angenehm ſein ſollenden, aber in der That widerwärtigen Lächeln erhellt iſt. Der Mann hat es ſich bequem gemacht; ſeine Füße ſtecken in Pantoffeln, welche behaglich auf einer vorſpringenden Stange des Kaminroſtes ruhen. Auf dem Schvoße dieſes Mannes liegt eine Serviette ausgebreitet, und während er mit der linken Hand einiges Backwerk verſpeist, hält die Rechte einen zierlichen Glaskelch, den er jetzt langſam emporhebt, worauf ein an⸗ derer Mann in der einfachen Livree eines vornehmen Hauſes, der neben ihm ſteht, das Glas mit rothem Wein füllt, das jener dann gegen die Kamin⸗ flamme hält, zum Munde führt und langſam ausſchlürft.
„Und Ihr mögt ſagen, was Ihr wollt, Frangois, der Bordeaur, den wir ſeit zwei Tagen bekommen, iſt nicht mehr der gleiche wie früher; es hat dem Hausmeiſter wieder einmal beliebt, zu wechſeln. Aber ich mag das nicht, und wenn ich das dem Doctor ſage, ſo kann das dem da drunten eine ge⸗ waltige Naſe einbringen.“ Der Bediente betrachtete aufmerkſam die Eti⸗ keite der Flaſche, roch einmal in dieſe hinein und zuckte die Achſeln.„Ihr ſeid noch zu neu im Hauſe, Frangois,“ fuhr der Andere fort,„um darüber ein Urtheil abgeben zu können, wer aber wie ich nun ſchon anderthalb Jahre lang dieſes ſaure Brod eſſen muß, der kennt ſich leider aus.“
Nach dieſen letzten Worten ſteckte er ein großes Stück Kuchen in ſei⸗ nen Mund und ſpülte daſſelbe mit einem friſch eingeſchenkten Glaſe Wein hinunter.„Die ganze Wirthſchaft da drunten,“ fing er nach einer Pauſe wieder an, während er ſich behaglich den Leib ſtrich,„taugt den Teufel nicht, Hausmeiſter, Kammerdiener, Kutſcher und Koch— will ſich doch all das Geſindel in mein ſaures Amt miſchen; verlaſſe ich einmal einen Augenblick 10*


