Jahrgang 
1855
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242 Ein Schickſal. Gehäuſe ſo mißmuthig ſchüttelt: ſie muß allein zurückbleiben in der kalten igi Nacht, ohne das Glück zu haben, anderen freundlichen und lebenden Weſen ſche leuchten zu dürfen, als ſolchen, die ſich von ihr wegſehnen. Es iſt das ein⸗ us mal ihr Schickſal; ſie ſeufzt eine Weile, flackert betrübt hin und her und Reſt brennt dann in ſtiller Reſignation wieder ruhig in die Höhe. Ser Blicken wir in das Gemach ſelbſt hinein, von deſſen Fenſtern wir eben ſunt hinausſahen, ſo bemerken wir, daß es weit und hoch iſt, daß die untere Hälfte. Gab der Wände aus faſt ſchwarzem Eichenholz und die obere aus einer dunkel⸗ blauen Seidentapete beſteht. Hiezu paßt die Decke vollkommen: ſie iſt dor ſchwer, geſchnitzt, in Quadrate eingetheilt, deren Mittelpunkt eine Höhlung Vo bildend ſich hoch emporzieht, während an den Rändern ſeltſam geformte ſill Zapfen tief herabhängen; noch tiefer aber als dieſe hängt ein ſchwerer Kron⸗ Ge leuchter mit aufgeſteckten Kerzen, welche indeſſen nicht brennen. Gleichförmig an mit Wänden und Decke iſt auch die ganze Zimmereinrichtung; in der Mitte De ſteht ein maſſiver Tiſch, über den eine violettſammetne Decke herabhängt und w mit ihren ſchweren Franſen den Boden berührt; die Stühle ſind breit, mit M hohen geſchnitzten Rückenlehnen, gepolſterten Armen, ebenfalls mit violettem w Sammet überzogen; alle Geräthſchaften ſtehen aber ſo willkürlich durchein⸗ ein ander, daß man glauben könnte, es mache ſich hier jemand das ſonderbare der Vergnügen, ſie beſtändig von ihrem Platze zu ſchieben. Eine gleich auf⸗ ſuh fallende Unordnung herrſcht auch bei den vielerlei Gegenſtänden auf Tiſchen, in Stühlen, Bänken, ſowie auf dem dicken Teppich des Bodens; da liegen und ſtehen überall umher zerſtreut Bücher, Sophakiſſen, Cigarren⸗Etuis, Bronze⸗ wir ſtatuetten, namentlich prachtvoll ausgeführte Thiergruppen, ſeltſame Krüge; dem aber alles das iſt, wie bemerkt, nur ſo hingeworfen. An einem Tabourette lehnt un eine prachtvoll eingelegte ſpaniſche Laute, während nicht weit davon die neun mult Kegel eines Kegelſpiels durcheinanderliegen, von den Kugeln aber, die dazu kut gehören, ruht eine behaglich in einem neumodiſchen, mit ſchwerem Seiden⸗ ſch zeug überzogenen Fauteuil und die andere auf dem Rand eines koſtbaren i venetianiſchen Glaspokals, wo ſie ſo unbeholfen und ſchwer ausſieht, daß man jeden Augenblick glaubt, ſie müſſe den feinen Kryſtall zerdrücken. Auch d 6 alte Waffen befinden ſich in einer Ecke des Zimmers: ein ſchöner Bruſt⸗ harniſch, ein paar Mailänder Helme, große Stoßdegen, Schwerter und Streitkolben; doch wollen wir dem Leſer nicht verheimlichen, daß alle dieſe in Waffen und Rüſtwerkzeuge künſtliche Erzeugniſſe aus Steinpappe ſind, und daß ein Knabe von ſechs Jahren die ſcheinbar ſchwerſte Streitart mit Leich⸗ 6 eſi

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