Ein
Von
F. W. Hackländer.
Es iſt eigenthümlich, daß ein hohes und weites Gemach mit braunen Holzwänden, mit einer ähnlichen Decke und dunkel eingelegtem Fußboden, mit einem hohen Steinkamine recht heimlich und angenehm ſein kann an einem trüben, rauhen Herbſtabend, wo die Sonne ſchlafen gegangen, ohne daß es ihr, der dichten Wolkenmaſſen wegen, möglich war, von der Erde mit einem freundlichen Gruß Abſchied zu nehmen. Es iſt eigenthümlich, aber wahr, daß ſo ein alterthümliches, finſteres Gemach uns wohnlicher erſcheint, wenn draußen um die Ecken des Hauſes der kalte Wind ſaust, während im Kamin ein paar tüchtige Holzblöcke luſtig knatternd brennen, als wenn eine warme Sonne glänzend auf Berg und Thal ſcheint, hie und da einen golde⸗ nen Strahl in das düſtere Gemach ſendet, ſo den Contraſt von Schatten und Licht um ſo ſchärfer zeigt, und wenn der Kamin traurig verlaſſen da liegt, eine leergebrannte Stätte, wo man vielleicht noch Ueberreſte von Kohlen und Aſche aus dem vergangenen Herbſte findet.
Um den geneigten Leſer in eine paſſende Stimmung zu verſetzen, neh⸗ men wir alſo an, es iſt ein trüber Spätherbſttag mit bewölktem Himmel; um die Ecken des Hauſes fegt der Wind, und wenn wir uns an eines der großen Fenſter ſtellen, um hinauszuſchauen, ſo blicken wir in die Straßen der Stadt, wir ſehen, daß das Pflaſter mit Schnee bedeckt iſt, ebenſo die Dächer der Häuſer; wir bemerken ferner, daß die Leute eilfertig dahin ſchreiten und ſich bemühen, recht bald aus der kalten Luft in das warme Zimmer zu gelangen. Die Equipagen machen es ebenſo, und wenn wir ſehen, wie die zitternden Wagenlaternen ſo ängſtlich eilfertig ihren rothen Schein auf den weißen Schnee werfen und der warmen Remiſe zuſtreben, ſo begreifen wir vollkommen, warum ſich die Gasflamme in ihrem gläſernen
Hausblätter. Jahrg. 1855. III. Bd. 16


