Jahrgang 
1855
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Von Joſeph Ennemoſer. 221

Gefahr befreit, in der ich mehrere Wochen lag, ohne daß nur die geringſte äußere Hülfe etwas dazu beitrug. Im Gegentheil erfuhr ich die nachläßigſte und zweckwidrigſte Behandlung. Es fiel bei ſolchen Kinderkrankheiten niemand ein, einen Arzt zu holen oder auch nur däätetiſch einige Vorſichts⸗ maßregeln zu ergreifen, und ſo machte man bei mir um ſo weniger eine Ausnahme, weil damals gerade zur Sommerszeit alle Hausgenoſſen auf den Bergmähdern und in den Alpen aufs nothwendigſte beſchäftigt waren, und weil man allgemein verſichert war, daß gegen den Gang dieſer Krank⸗ heit eine beſondere Behandlung nichts vermöge. Ich war ſchon ſehr müde und fieberkrank, als ich eines Tages noch hoch in das Bergmahd mitge⸗ nommen wurde; dort ſchlief ich den ganzen Tag in einer Betäubung, aus der man mich Abends beim Nachhauſegehen gar nicht recht erwecken konnte. Aus dieſem Schlafe bin ich wahrſcheinlich erſt nach einigen Wochen wieder zur Beſinnung erwacht, als der Blatternprozeß bereits durchgemacht war, während deſſen ich meiſtens den ganzen Tag allein in der heißen ungelüfte⸗ ten Stube ohne viele Wartung gelegen hatte. In den gefährlichſten Tagen blieb die Großmutter oder die Baſel bei mir, um mich doch nicht ganz allein ſterben zu laſſen. Das erwartete man mit Beſtimmtheit; es war ſogar verabredet, daß, um meinen Tod anzuzeigen, vor dem Hauſe ein weißes Leintuch ausgebreitet werden ſollte, das von dem Berge herab geſehen wer⸗ den konnte. Das erſte, deſſen ich, zum Bewufßtſein zurückgekommen, mich erinnere, war, daß ich ein großes Vergnügen und eine wohlthuende Kühlung empfand, wenn ich die Pockenſchuppen von der Haut zupfen und dieſelbe von dem juckenden Schorfe befreien konnte, und daß ich das erſte⸗ mal nach einer völligen Erblindung auf einmal ein kleines Crucifir vor mir auf dem Tiſche erblickte. Ich ſtand dann bald wieder auf und wurde geſünder als je, ja ich habe außer dieſer keine einzige Kinderkrankheit weiter bekommen. Ich habe über dieſe Krankheit und über das Widerſinnige und nicht ſelten Schädliche des Kuhpockenimpfens mein beſonderes Urtheil abgegeben, welches der Leſer in meiner Schrift:Anleitung zur mesmeri⸗ ſchen Praris finden kann.

In meinem 12ten Jahre war ich nun der Schule ſchon entwachſen, in welcher ich an poſitiven Kenntniſſen kaum etwas weiter gewonnen habe, als was ich vorher und während der Schulzeit zu Hauſe empfangen hatte. Der Religionsunterricht brachte mich auch nicht weiter in der Gotteserkennt⸗ niß, nur aber war ich durch die ordnungsmäßige Pflege des Gottesdienſtes,