218 Mein Leben.
4. Die Schulzeit.
Ich war acht Jahre alt, als ich in die Schule zu Rabenſtein ein⸗ trat. Ganz junge Kinder gingen damals noch nicht zur Schule, wenn ſie auch näher dabei wohnten als ich, der ich eine Stunde höher auf dem Berge entfernt war und bei tiefem Schnee im Winter oft einen ſehr beſchwerlichen Zugang hatte, was mich indeſſen kaum jemals verhinderte regelmäßig zu rechter Zeit, um 8 Uhr, bei der Meſſe zu erſcheinen. Vor Allerheiligen fing die Schule nicht an und dauerte dann bis nach Oſtern höchſtens bis Ende April, weil die Kinder vor und nach dieſer Zeit zum Viehhüten ge⸗ braucht wurden. Im Sommer iſt zu Hinterſee keine Schule, und es iſt deßhalb nicht zu verwundern, wenn die meiſten Kinder nicht ſehr großen Nutzen für ihr ſpäteres Alter von dem Unterricht haben, weil ſie im Sommer das wieder vergeſſen, was ſie ohne beſonderen Trieb im Winter mit Mühe erlernt haben. Der Reiz dazu iſt freilich auch eben ſo gering als der gewonnene Vortheil. Denn was haben die meiſten Bauern zu leſen und zu ſchreiben, wozu ihnen ohnehin ja höchſtens am Sonntag eine kurze Zeit übrig bliebe.
Die tägliche Schulzeit war nun von S Uhran nach Vollendung der Meſſe bis 10 Uhr, dann von 12 bis 3 Uhr. Die Kinder von Rabenſtein gehen in der Zwiſchenzeit nach Hauſe zum Mittageſſen, die weiter entfernten aber, wie die von Schönau, Saltnuß und Hitt haben ein Brod bei ſich und eſſen daſſelbe beliebig auf den Spielplätzen, auf denen ſie ſich luſtig herumtummeln, und bekommen dann ihr eigentliches Mittageſſen erſt bei der Heimkunft gegen Abend.
Das Schulhaus war eine Hinterſtube des zu meiner Zeit noch ſehr kleinen und ärmlich eingerichteten Widums. Dahinein mufßten einige und zwanzig bis dreißig Kinder, welche daher ziemlich eng an einander gepfercht wurden, dennoch aber in der Abſonderung der Knaben von den Mädchen. Unſer Schullehrer war ein Schneider, welcher im Sommer bei den Bauern auf die Stöhre(Tagelohn) ging, ihre Kleider zu machen. Leſen und Schreiben konnte er gut und wußte mit einem Stäbchen in der Hand in
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