478 Dieſſeits und jenſeits der deutſchen Alpen.
hat, welche geſtern ſchon vom See aus unſere Bewunderung auf ſich ge⸗ zogen und durch das Ledrothal nach Brescia führt. Sie kann ſich getroſt einer Klamm(in der Gaſtein), einem Kuntersweg, einer Finſtermünz und anderen Kletterſtraßen an die Seite ſtellen. Die von der Flut aus faſt für un⸗ erſteiglich gehaltenen Felſen ſteigt ſie mit kühner Leichtigkeit hinan, ſprengt ſie hier in enge, finſtere Päſſe auseinander, bricht dort durch 70 bis 80 Schritt lange Tunnels, tritt dann wieder auf luftige, ſchwindelnde Terraſſen heraus, von denen das Aug trunken in die tiefe Seebläue hinabſieht, umkleidet ſich an den ſteilen Wänden mit ſchönem grünem, blumendurchwirktem Gewande, ſchmiegt ſich von einer Windung zur andern und hat ſo endlich den Gipfel erreicht, von wo ſie ziemlich eben im Ledrothal fortgeht. Aus dieſem kommt der Ponal herausgeſchoſſen, der der engen Felſenſchlucht zueilt und in dem berühmt gewordenen Falle der ſchönen Seefürſtin von Garda ſich in die Arme wirft. Von dieſer wilden, trotzigen Bergſtraße wenden wir uns über Riva zurückkehrend nun einer andern zu, die, nur an einigen Stellen etwas unfreundlich angethan, mit einem Landſchaftsreiz ſich geſchmückt hat, in dem es ihr wenige zuvorthun können,— der nämlich, welche uns von Riva durch das Val di Sarca nach Trient bringen ſollte.
Unſer Vetturino hatte verſprochen, in vier Stunden uns an Ort und Stelle zu bringen; als daraus ſechs wurden, mußten wir zwar unſeres Rechtes wegen die Erzürnten ſpielen, im Herzen aber konnten wir nicht ungehalten darüber ſein, hübſch langſam all dieſe Herrlichkeiten der nahen und fernen Umgebung an uns vorüberziehen zu ſehen. Die Gartenmauern hörten glücklicherweiſe bald auf, und nichts hemmte nun den Blick, ſich an der Gabenfülle zu weiden, welche über dieſen geſegnetſten Fleck Südtirols ausgeſchüttet iſt; man weiß nicht, hat die Natur hier allein ihr Werk, gibt ſie alles dem Menſchen nur von ſelber, oder hilft er auch ein weniges dazu? Die edelſten Fruchtbäume, Oliven, Feigen, Pfirſich, Granate, Maulbeer, Rebe und alle unſere bekannten lieben Obſtſpenden ſtehen da in ordnungs⸗ loſer Wildniß wild durcheinander, Mais⸗, Melonenfelder zwiſchen ihnen. Ein kleines Bächlein begleitet uns zur Seite, heimatlich mahnende Weiden ſtehen an ſeinem Rand; ſteile Berge umſäumen das Thal, ſtille, ſchmucke Menſchenwohnungen allenthalben am Bergesfuß und am Bergeshang. Der ſtattliche Ort nun vor uns mit der Kuppelkirche und dem es überragenden, von Cypreſſen umwogten Schloſſe iſt Arco; gleich hinter ihm kommt uns die Sarca entgegen, ein den Gruß der Alpen zum warmen Sonnenſchein des


