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Aus den Briefen eines Künſtlers. 461
in ihrer Art die vollendetſten. Louis Gallait hat nichts ausgeſtellt, wie man ſagt, aus Verdruß darüber, daß er im letzten Pariſer Salon zu ſtark mitgenommen iſt. De Biefves großes Bild,„der Compromiß,“ macht ſich ſehr mittelmäßig. Da, wie geſagt, die Cartons der Deutſchen noch nicht aufgeſtellt ſind, ſo iſt auch ein vergleichendes Urtheil noch nicht möglich. In pittoresker Hinſicht ſtehen ſie den Franzoſen und Belgiern nach, natür⸗ lich nur den gewiſſermaßen franzöſiſchen Belgiern, zu denen eben Willems, Gallait, Stevens, Leys und andere gehören. Unter den Berlinern jedoch hält Richters Porträt und Hildebrandts Winterlandſchaft Stich, von den übrigen Deutſchen Knaus und Victor Müller. Die Baiern habe ich noch nicht genau angeſehen, doch findet ein Bild von Zimmermann unter den Künſtlern bereits viel Beifall. Unter den Schweden zeichnen ſich Höckert und Tiedemann aus.
Von den Franzoſen hat mich die große Anzahl von Delaervir' Bildern gleichſam berauſcht. Es ſind in der That die Goldminen in der Ausſtellung, wenngleich mit vielen Schlacken. In der Farbe haben dieſe Bilder etwas, das vollkommen neben Tizian und Veroneſe Platz nehmen kann. Auch unter Decamps Bildern ſind viele Edelſteine, und Ricard und Conture haben vorzügliche Bildniſſe geliefert. Unter den Landſchaf⸗ ten mochten die von Rouſſeau, Corot und Hervier, und unter den Thierſtücken die Arbeiten von Roſa Bonheur und Rouſſeau die bedeutend⸗ ſten ſein. Unter den franzöſiſchen Deſſinateurs ſind einige Sachen von Flandrin vorzüglich, obſchon mir dieſelben im Allgemeinen nicht zuſagend ſind. Ingres Arbeiten habe ich noch nicht geſehen. Im Uebrigen be⸗ merke ich, daß noch ſehr viele ſchöne Bilder dort ſind, die aber bei einem erſten unvollſtändigen Ueberblicke ſich ſchwer klaſſifiziren laſſen. Noch ſchwieriger wird es ſpäter ſein, bei einer eingehenden Vergleichung unſern Landsleuten gerecht zu werden, weil dieſelbe ſchon jetzt in der That faſt etwas Erdrückendes hat. Denn um nur ein Beiſpiel anzuführen, ſo ſind mir bei einem Bilde von Menzel, von dem ich immer ſehr viel hielt, und nicht mir allein, ſondern auch andern, die ſich mit mir in gleicher Lage befanden, große Schwächen erſt hier deutlich zu Tage getreten.
Ich will alſo in dieſem Briefe lieber meine in dem früheren begonnenen
W ieſe fortſetzen, und Ihnen die Reſultate derſelben zur Charakteriſtik der neuern franzöſiſchen Malerei mittheilen.


