Am Genfer See.
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ſtehen konnte,—„wer ſagt Ihnen, daß dieſes Herz für Sie—“ Sie konnte nicht vollenden; Alfred wurde blaß wie der Tod.„Ja dann,“ ſtam⸗ melte er,—„dann iſt alles geſagt!“ Er wollte ſich entfernen.
„Alfred!“ ſchrie ſie.„Es iſt zu viel,“ murmelte ſie, da er ſtehen ge⸗
blieben.„Ich unterliege! Sie ſollen alles wiſſen; laſſen Sie mir Zeit.“
Sie drohte zu ſinken. Er fing ſie in ſeinen Armen auf und führte ſie zu einer nahen Bank.„Vollenden Sie,“ rief er.„Laſſen Sie mich auf einen Zug den herben Becher leeren!“
Sie ſuchte ſich zu faſſen und endlich begann ſie.„Ich habe nicht von mir zu reden. Sie lieben mich; allein haben Sie einen Augenblick bedacht, wohin dieſe Liebe führen ſoll?“—„Zu unſerem Glücke, wenn Sie die⸗ ſelbe theilen!“—„Nein, Alfred, Ihr Glück iſt in dieſer Liebe nicht be⸗ gründet.“—„Was ſagen Sie, Hedwig? Ich ſchwöre Ihnen—“
„Schwören Sie nicht!— Sie haben viel gelitten durch die Liebe; das Maß Ihres Unglücks ſoll durch mich nicht gehäuft werden.— Beantworten Sie mir eine Frage, offen und wahr, wie ich Sie kenne. Seit jener ſchreck⸗ lichſten Stunde Ihres Lebens bis auf dieſen Augenblick,— was haben Sie gethan?“—„Was ich gethan habe?“ fragte er überraſcht.
„Sie haben Kenntniſſe; die Natur hat Sie mit einem ſchönen Talente begabt, und Ihr Seufzer heute vor der Säule in Chillon hat es deutlich ausgeſprochen, daß Sie beides nicht genützt haben.“—„Sie thun mir un⸗ recht!“ warf er ein.—„Sie haben für Ihr Vaterland gekämpft und gedul⸗ det,“ fuhr ſie fort,„ich weiß es. Allein dieſe Begeiſterung erzeugte die Liebe. Die Politik iſt nicht Ihr Feld, Sie ſind ein Gelehrter und ein Dichter.“
„Auch auf dieſem Gebiete habe ich mich erfolglos bemüht,“ ſagte er kopfſchüttelnd.„In jener Zeit, als meine Sehnſucht nach dem Himmel rang und das Bewußtſein mich an die Erde kettete, alles dieſes ſei nur eine ſchöne Täuſchung, da verſuchte ich den innern Zwieſpalt zu bemeiſtern, in⸗ dem ich ſchrieb. Ich konnte die Gegenſätze nicht verſöhnen, aber ich wußte die zudringliche, unerfüllte Sehnſucht durch geiſtreiche Pointen von mir abzuwehren. Die bezarre Manier gefiel. Die verſchiedenen Führer ſuchten mich für ihre litterariſchen Coterien zu gewinnen; aber ich ſagte es ihnen in's Geſicht, daß dieſes Parteiweſen wie ein Krebs an unſerem geiſtigen Leben zehre, daß es der Mittelmäßigkeit allein zur Herrſchaft verhelfe, die Kritik verwirre und das allgemeine Urtheil verderbe. Seitdem wurden meine Aufſätze zurückgewieſen.“


