Jahrgang 
1855
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Von Robert Schweichel. 255

len zuckten aufblitzend herüber und mildes Roſenlicht übergoß die ſchneeigen Firnen der Alpen. Der wolkenloſe Himmel über ihnen ſchien ſich an dieſer Glut allmählig zu entzünden.

Alfred und Hedwig waren aufgeſtanden. Ein kleines Gebüſch am Rande der Terraſſe verbarg ſie. Hedwig hatte unbewußt ihren Arm auf den des Freundes gelegt und auf ihn ſich ſtützend, ſich ſanft anſchmiegend an ihn, ſah ſie ſchweigend dem ewig neuen Schauſpiele zu. Ihr Köpfchen neigte ſich allmählig und als der letzte Strahl der Sonne entſchwunden war, ruhte es an Alfreds Schulter.

Seine Lippen ſtreiften ihre Locken; ſie ſchlug die Augen zu ihm auf mit dem Lächeln eines träumenden Kindes. Er zog ſie inniger zu ſich, er faßte ihre Hand und Blick verſank in Blick, voll der tiefen Empfindung, die beide Herzen bewegte. Doch in Hedwigs Augen ſtieg nach und nach ein Schatten auf, das Lächeln ſchwand, eine Thräne zitterte an ihren Wimpern, ſie richtete ſich auf.

Hedwig, flüſterte er,warum in dieſem Augenblicke dieſe Thränen? Sie wandte ſich ab. Er faßte ihre Hände, er zog ſie zu ſich, die Thränen perlten ihm entgegen.Sie weinen? rief er leidenſchaftlich.Kann meine Liebe Sie ſo ſchwer beleidigen?O mein Gott, halten Sie ein!

Ich fühle den Vorwurf dieſer Thränen. Sie ſtrafen mich, daß ich Sie eines Tages nicht verſtand, ſprach er.Nein, Alfred, das iſt es nicht, flüſterte ſie.

Nicht? jauchzte er.So darf ich mich denn glücklich dem Gefühl der Liebe überlaſſen. O Hedwig, ſprechen Sie es aus, ſagen Sie mir Gott, mein Gott! ſchluchzte ſie.Wie, wird Ihnen denn das kleine, ſüße Wort ſo ſchwer?Es kann, es darf nicht ſein!

Er erſchrack, und einen faſt drohenden Blick auf ſie werfend, ſprach er: Spielen Sie mit mir? Schmerz und Verzweiflung malte ſich auf ihrem Antlit.Verzeihung! rief er wieder.Und doch, ich faſſe es nicht! Hed⸗ wig liebt mich und weist mein Herz zurück?Haben Sie Barmherzig⸗

keit, Alfred, ſtammelte ſie, ihre Hände aus den ſeinigen befreiend,der

Himmel iſt mein Zeuge, daß ich mußSie müſſen? fragte er jinſter, und warum? Sie ſchwieg.

Welche Macht könnte Sie zwingen, wenn Ihr Herz für mich ſpricht? O reden Sie! fuhr er dringend fort, da Hedwig zu antworten zögerte. Und wer ſagt Ihnen, hauchte ſie endlich ſo leiſe, daß er es kaum ver⸗