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Von Levin Schücking. 237
und zu ihr gehören. Der Menſch, der in die Stifter ſche Landſchaft nicht paßt, der inmitten unſeres modernen Lebens ſteht, ſeine Kämpfe zu beſtehen hat und in ſeiner Tragik untergeht oder es zu bewältigen weiß, der iſt un⸗ ſerem Autor fremd geblieben von Anfang an bis heute. Es liegt das eben ganz in der Natur des Dichters, deſſen rein gemüthliches Weſen die Leiden⸗ ſchaft nicht zu kennen ſcheint. Und indem dieſe in ihren Studien ſich öfter ausprägende Natur des Autors ſich ſo zahlreiche Freunde erworben hat, iſt ſie abermals ein Beweis, daß wir am Ende in den Werken eines Schrift⸗ ſtellers am meiſten doch ihn ſelber ſuchen; daß der Menſch, der in ihnen leibt und lebt, es doch eigentlich iſt, welcher uns theuer wird und die Erfolge und die Popularität erringt. Deßhalb ſehen wir auch die Schriftſteller zumeiſt raſch in der Liebe des Publikums befeſtigt, welche eine leicht ver⸗ ſtändliche, wohl eigenthümliche, aber doch einfache, nicht complizirte Natur treu durch alle Schriften durchſchimmern laſſen und ſich unverholen ſelbſt zu geben ſcheinen. Dagegen ſehen wir die Leſewelt Anderen, die unendlich mehr Geiſt und mehr Tiefe und Compoſitionstalent haben, hartnäckig ihre Theilnahme verſagen, wenn ſie wechſelnd Schöpfungen bringen, hinter denen nicht dieſelbe Individualität zu ſtehen ſcheint. Ein Schriftſteller darf nicht als Proteus auftreten. Er darf uns nicht heute in dieſer, morgen in jener Rolle erſcheinen. Beim Schauſpieler lobt man es, wenn er ein viel⸗ ſeitiges Talent in den verſchiedenſten Charaktermasken beweist. Beim Schriftſteller iſt es anders. Man will zu ihm zurückkehren können, ſicher venſelben alten Freund in ihm wiederfinden, deſſen Züge man ſich einmal eingeprägt, an deſſen Weſen man ſich einmal gewöhnt hat.
Wir haben Adalbert Stifter bei ſeinem erſten Auftreten charakteriſirt, und er bietet heute, wo eine Geſammtausgabe ſeiner Studien vor uns liegt, alſo eine Art Abſchluß ſeiner ſchriftſtelleriſchen Wirkſamkeit gegeben iſt, ganz dieſelben Züge wie damals dar. Seine Seele, ſagten wir damals, iſt ſo empfindſam wie eine Senſitive und keuſch wie eine eben erblühte Waſſer⸗ lilie; ſeine ganze Natur hat etwas Blumenhaftes; aber dies verleitet ihn, die Menſchen überhaupt zu ſehr als Blumen zu betrachten. Er liebt vor allen Dingen das Unbewufte und die Regungen des Gefühls im Menſchen, welche ſich dieſem ſelbſt verhüllen. Er kennt, wenn er Charaktere zeichnet, nur helles Licht und Schlagſchatten, und weil er dieſen Schatten noch ver⸗ ſteckt und überhüllt, noch zu„vertuſchen“ ſucht in ſeinem liebevollen Drange nach Verſöhnung, nach Vermittlung ſchroffer Gegenſätze, nach Auflöſung


