Von Levin Schücking. 235 der hiſtoriſchen Schilderungen beſonders iſt er ein wahrhaft Meiſter. Ungeblen⸗ das det von der großen Haupt⸗ und Staatsaktion, die vor ſhem Publikum aufge⸗ nzu führt wird und oft eben nur eine theatraliſche Auffüßrung iſt, blickt ſein un⸗„zerſetzendes Auge tief hinein in das Halbdunkel hinter den Couliſſen, tur, die eigentlichen Fäden und Fädchen, die die Maſchinerie bewegen, hre gen und geknüpft und eingehäckelt werden. Und mit demſelben ſcharf
— legenden Blick, nein mit mehr, mit wirklich intüttivem Gefühl weiß er kſal ie Stimmungen und den innern Pulsſchlag einer Zeit zu ahnen und mit ieht feinſten Pinſelſtrichen das treue Gemälde der eigentlichen Phyſtognomie der einer Epoche zu geben. Und was ſich dann als ein nicht geringer weiterer Ge⸗ Vorzug eines ſolchen Gemäldes darſtellt— das iſt die vollendete Harmonie t in der Farbengebung und Haltung; derſelbe Ton, dieſelbe Stimmung liegt
immer über dem Ganzen— es iſt aus einem Guſſe. Ueberhaupt— und das iſt nicht genug zu loben und hervorzuheben bei dem Mangel an Takt und Gefühl für die Idee, welcher in unſerer Litteratur herrſcht— Kvenig iſt ein großer und vollendeter Techniker.
Die Sammlung der Koenig ſchen Schriften wird uns nach der Regina auf einen neuen hiſtoriſchen Roman bringen, deſſeu Hintergrund das weftfäli⸗ gen ſche Königthum Jerome's bilden wird; dann die zweite Auflage der Club⸗ ar⸗ biſten— dies Programm ſchon wird hinreichen, um der Sammlung die ſnd allgemeinſte Theilnahme der Leſewelt zu verbürgen.— en, Wir kommen zu den„Vermiſchten Schriften“ von Heinrich Heine un(Hamburg 1854). Ein neues Werk von Heine erweckt die öffentliche Auf⸗ gls merkſamkeit in einem Maße, daß es Waſſer in's Meer tragen hieße, zu den viel⸗ lt“ ſeitigſten Beleuchtungen, welche die Journaliſtik ihnen angedeihen läßt, noch Re⸗ eine weitere zu liefern. Fraglich aber iſt es, ob dies Intereſſe noch lange ſich er⸗ eſe— halten wird, wenn Heine ſo fortfährt, ſeine geiſt⸗ und witreichen Sammel⸗ g ſuria, dieſe Krankheitsbulletins, die von einem ſo poſſenhaften Arabeskenrande h und von phantaſtiſchen Fratzen umgeben ſind, dem deutſchen Volke mitzu⸗ int theilen. Dieſe gottesläſterliche Religioſität, welche die neueſte Phaſe ſeiner ber Ueberzeugungen() iſt, dieſe Verliebtheit in das Ich, das Heine mit eigenen at⸗ Händen umlorbeert, diviniſirt und am Tempel des litterariſchen Ruhms— n wie Caligula ſeine Statue als den Schutzgott Latiums— als den Sehh leit gott der deutſchen Litteratur zur Anbetung aufſtellt, ja als die Incarnation
der deutſchen Poeſie verehrt ſehen will— neben Brahma⸗Goethe Wiſchnu⸗ . Heine;— dann dieſe für einen Gott ſehr diaboliſche Verläſterungsſucht,


