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Von Levin Schücking. 231
dunkel, ihrer geheimniſſpollen Bergſeen gezogen haben, wie den Fiſcher Goethe's das feuchte, verführeriſche Meerweib. Oder auch Jean Paul's unplaſtiſche Weiſe, dieſe die enge Wirklichkeit mit den Kränzen ihrer Schwär⸗ merei überhüllende Sentimentalität, die weiche Zerfloſſenheit habe an ihm einen begeiſterten Schüler gefunden. Aber nichts von Allem dem. Obwohl Koenig's erſte Lebensverhältniſſe durch den Druck von Außen eine große Aehnlichkeit mit denen Jean Paul's haben, ſo iſt doch nicht die allerleiſeſte Aehnlichkeit in den Richtungen zu erkennen, welche Beide eingeſchlagen. Koenig kennt weder Sentimentalität noch Verſchwommenheit. Die Romantik, welche die tüchtigſten Zeitgenoſſen unſeres Autors entflammte und auf ihre Bahnen verlockte, welche dem Talente Platen's und Immermann's ſo viele der beſten Lebens⸗ und Geiſteskräfte in unnützen Verſuchen koſtete und aufzehrte, hat H. Koenig nie mit ſich fortgeriſſen und in ihre Kreiſe gezogen. Es iſt ſelt⸗ ſam ein Schriftſteller, der im Jahre 1790 geboren, der 25 Jahre alt war, als Deutſchland ſeine Freiheitsbegeiſterung in ſtürmiſch bewegten Hymnen zu den Eichenwipfeln ſeiner Haine hinaufſang, in deren Rauſchen es die Stimme aller nordiſchen Götter vernahm; der noch im Alter eines jungen Mannes ſtand, als Arndt's und Körner's Lieder die germaniſchen Jung⸗ frauen zum Altare des Vaterlandes hinriſſen, um ihre gelben Locken dar⸗ auf zu opfern; der eben in das Mannesalter trat, als Fouqué, die Schlegel, Tieck, Arnim, Brentano den berauſchenden Trank der Romantik an der Merlinsquelle des mondbeglänzten Märchenwaldes ſchöpften und ihn der ernüchterten Welt darboten,— der hat nie eine Aeußerung ſeines Talents geboten, welche zeigt, daß dies Alles je ſein Gemüth bewegt, ſeinen Geiſt in gleicher Strömung fortgeriſſen habe. Iſt das geiſtige Ueberlegenheit? Iſt es ein ſtilles Erhabenſein über vergängliche Tagesrichtungen? Die Klarheit eines Auges, das nach dem ewig dauernden, nach dem unentſtellten Ideale hinüberblickt, über den Staub und Lärm hinweg, den die Helden des Augenblicks erregen?
Das iſt es wohl nicht. Es kann nur eine bei ſo viel dichteriſcher Phan⸗ taſie eigenthümliche Gelaſſenheit des Gemüths ſein; auch etwa ein Mangel an ſchönem Enthuſiasmus, an Fähigkeit ſich hinreißen zu laſſen; und dieſe Eigenſchaften, wenn man will Mängel des Dichters, ſcheinen uns auf's Engſte mit den Jugendverhältniſſen deſſelben, wie:„Auch eine Jugend“ ſie ſchildert, zuſammenzuhängen. Aengſtlichkeit, die knappen Schranken der Lebenslage nicht zu überſchreiten, Sorglichkeit, ſich zu überwachen, nirgends


