Von F. W. Hackländer. 5
elterlichen Hauſe, mit ihm allein ſei, worauf dieſer lachend erwiderte:„das iſt ein ſchlechtes Compliment für deine Liebenswürdigkeit; der General hält dich für gänzlich ungefährlich, und dafür würde ich mich an ihm rächen.“„Und dann?“ hatte der Maler gefragt.—„Nun, und dann? ſieht man weiter.“ Am heutigen Tage hatte ſich übrigens die ganze intimere Mittheilung zwiſchen den Beiden auf das beſchränkt, deſſen wir ſo eben erwähnten, einen innigen Blick, einen leichten Druck der Hand,— ſo unendlich viel— und doch ſo wenig. Vergebens hatte Baron von C. es eingerichtet, daß Eugen die junge Dame zu Tiſch führen durfte und nach der Tafel in den Garten; hatte ihm auch in den Glashäuſern bald hier bald dort allerlei ſeltene oder unbedeutende Blumen gezeigt. Vergeblich, Julie von W. war wie die Bienenkönigin; wohin ſie ſich wendete, folgte ihr ein ganzer Schwarm. Und doch hätte ihr Eugen ſo gern eine Frage geſtellt, er war bekümmert, denn er hatte in ihrem ſonſt ſo klaren und freundlichen Auge einen Schatten bemerkt, er hatte in unbedeutenden Worten, die ſie an ihn gerichtet, einen Kummer entdeckt, der auf ihrem Herzen laſtete. Das Feuerwerk war unter⸗ * deſſen beendigt, und nachdem der Raum um das Schloß einen Augenblick dunkel gelegen, ward er plötzlich wieder erhellt, diesmal von der rothen Gluth der Fackeln, welche die Dienerſchaft am Portal aufſteckte, um den Weg für die anfahrenden Equipagen zu erhellen. Auch das Zimmer und die Terraſſe, wo ſich die Geſellſchaft befand, wurden plötzlich erleuchtet, doch nicht ſo ſchnell, daß es Eugen nicht noch gelungen wäre, durch eine ſchnelle Wen⸗ dung eine alte Hofdame zwiſchen ſich und Julie zu bringen. Der Vater General, der ſich zum Gehen eines Stockes bediente, hinkte herbei, um ſeiner Tochter zu ſagen, daß ihr Wagen vorgefahren ſei. Mit Ausnahme einiger weniger Herren, worunter auch Eugen, die noch da⸗ blieben, um bei der liebenswürdigen Wirthin des Hauſes eine Taſſe Thee zu nehmen, empfahlen ſich die Uebrigen, und plaudernd und lachend rauſchte es über die breiten Corridors nach der Treppe des Hauſes hin. Auch hier war der Hausherr wieder für ſeinen Freund thätig. Denn unter dem Vorwand, dem alten General das Gehen zu erleichtern, nahm er ihn unter dem Arme und machte in ſeiner liebenswürdigen Sorgfalt unendlich kleine Schritte, ſo daß Julie, von Eugen geführt, ſchon faſt auf der unterſten Stufe war, ehe der Papa noch die oberſte erreicht hatte. Das Treppenhaus war auch der Glanzpunkt der kleinen Villa; von


