4 Gefährliche Blumenſträuße.
ſchön! ruft aber in dieſem Augenblick der Kreis der Zuſchauer, wir zucken zurück, ja wir klatſchen, um ganz unbefangen zu ſcheinen, begeiſtert in die Hände, mit klopfendem Herzen, außer uns vor Entzücken— natürlicher Weiſe nur der bunten Flammen wegen. So haben wir denn zwei Feuer⸗ werke, und wenn draußen die Raketen erlöſchen, ſo erfüllt ſich unſer Herz mit einem anderen, weit gefährlicheren Feuer.
So fühlten denn auch auf der Terraſſe der benannten Villa zwei junge
Leute, die ſich gewiß ganz zufällig dort zuſammen gefunden. Er war ein junger ſchöner Mann von vielleicht dreißig Jahren, ein genauer Freund des Hausherrn, war Maler, hatte einen berühmten Namen, ein großes Ein⸗ kommen, und wenn er in Geſellſchaft ging, ſo konnte er ſeine gewählte Toilette dadurch vervollſtändigen, daß er ſich ein Band von irgend einer beliebigen Farbe ins Knopfloch ſteckte; dagegen war er, wenn auch von an⸗ ſtändiger, doch von ſehr einfacher Geburt; kein Wörtchen„von“ hatte ihm die Thüren zu der— Geſellſchaft geöffnet, die es ſich jetzt zur Ehre macht, ihn zu empfangen, und hatte ihn leider dieſer Geſellſchaft, wenn er auch die Meiſten derſelben an innerem Gehalt weit überragte, doch nicht ebenbürtig gemacht. Wir ſprachen das leider nur für den vorliegenden Fall aus, in Betreff der beiden Arten von Feuerwerk, mit welchem er ſich heute Abend beſchäftigte; denn ſie, die neben ihm ſtand und die Berührung ſeiner Hand ſo gern duldete, gehörte eben dieſer— Geſellſchaft an. Sie war ein zwanzigjähriges, reizendes und geiſtreiches Mädchen, aber— leider die Tochter eines alten Generals, der noch obendrein Baron von W. hieß. Wenn man die beiden jungen Leute bei einander ſtehen ſah, ſo war man verſucht Bravo! zu rufen über das prächtige Doppelwerk, welches die Natur hier geſchaffen, und Unbefangene von Geſchmack und Einſicht mußten un⸗ willkürlich ausrufen: welch ſchönes Paar! Beide hatten ſich früher wohl gekannt, ſich, auch wohl allerlei Schönes denkend, betrachtet; daß ſie ſich aber näher kennen lernten und jetzt aufs Innigſte liebten, daran war die Unvorſichtigkeit des alten Generals Schuld, der ein lebensgroßes Porträt ſei⸗ ner Tochter befohlen. Der Maler hatte ſich Anfangs gegen dieſen Auftrag geſträubt und dringende Arbeiten vorgeſchützt— vergebens! Doch ließ er ſich endlich zwingen nachzugeben, das Gemälde wurde ein Meiſterwerk, aber das Original nahm er ſo tief in ſein Herz auf, daß er ſich nicht mehr davon los machen konnte. Eugen, der Maler, hatte es ſeinem Freunde, dem Baron von C., öfter geſagt, daß die junge Dame oft ſtundenlang, wenn gleich im


