Von F. W. Hackländer. 3
liegt. An all den Orten wird der Herbſt gefeiert, und ſobald es anfängt dunkel zu werden erreicht die Luſt ihren Gipfel. Da ziſchen Schwärmer und werden übertönt von dem Knallen der Fröſche, die wieder überſchrieen werden von luſtigen Mädchenſtimmen, welche um Hülfe rufen, weil irgend ein brennendes Ungethüm in ihrer Nähe loskracht. Zuweilen ſieht dann die ganze weite Fläche rings um uns aus wie der Garten eines Zauberers, auf deſſen Geheiß feurige Blumen überall empor ſproſſen, rothe, blaue,
gelbe und grüne Leuchtſterne, dazwiſchen flimmert rothglühendes oder weiß⸗
glänzendes Blätterwerk, und über alles hinaus erheben ſich feurige Ra⸗ ketenblumen, hoch in die Höhe wachſend, oben den Stengel zierlich neigend, um alsdann vor den erſtaunten Augen einen Blüthenbüſchel in den glü⸗ hendſten Farben zu entfalten. So ſproßt und leuchtet es auf allen Punkten, hier ſpärlich, dort reicher; auf dieſem Punkte ſind kleine Schwärmer und Fröſche vorherrſchend und eine einzelne Rakete ein Ereigniß, dort ſteigen dieſe maſſenhaft auf und werden überboten von Kanonenſchlägen und über⸗ ſtrahlt von gewaltigen Sonnen.
In letzterer Beziehung zeichnet ſich die Villa aus, von der wir vor⸗ hin ſprachen. Zu ihr gehören zahlreiche Weinberge und ein weitläufiger Park; letzterer ſtößt an das Wohnhaus, und auf dem freien Platze, in wel⸗ chem das zierliche Gebäude liegt, praſſelt und kracht eine ſolche Menge von Feuerwerk empor, daß alles, was ſich auf den umliegenden Höhen befindet, mehr dorthin ſchaut als auf die eigenen mageren Schwärmer und Fröſche.
Die kleine Villa gehört einem liebenswürdigen jungen Mann, dem Baron von C., ſeit einem Vierteljahre glücklicher Gatte; er hatte zur Feier des Herbſtes einige befreundete Familien zum Diner eingeladen, und nach
Beendigung deſſelben wurde das Feuerwerk abgebrannt, deſſen wir eben
erwähnten. Hier waren die Gäſte denn auch mehr Zuſchauer als Theil⸗ nehmer. Doch hat auch dies manch Angenehmes, ja noch mehr als das, wenn man ſich in liebenswürdiger Geſellſchaft befindet, wenn man aus einem halbdunkeln Raume zuſchauend bei dem aufflammenden Lichte mehr nach den Augen der Nachbarin als nach der emporziſchenden Rakete blickt, und wenn man bemerkt, daß ſich eben dieſe Augen im gleichen Momente auch nach uns richten. Das iſt ein ſüßes und liebes Spiel und wiederholt ſich, ſo oft aufs neue die Flammen drunten aufzucken. Vielleicht ſtützen wir uns auch ganz harmlos auf die Brüſtung der Terraſſe und berühren dabei eine kleine Hand, die dort ebenfalls ruht.— Ah! ſuperb! außerordentlich 13


