Jahrgang 
3 (1867)
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Von Hugo Schramm. 473

Conſtantius außer Faſſung bringen. Doch ſcheint man den glimmenden Flachs damals noch nicht hierzu angewendet zu haben. Der berühmte Arzt Galenus berichtet, daß einſt ein Gaukler ein Licht ausgelöſcht und wieder angezündet habe, indem er es an die Wand gehalten. Bei näherer Unter⸗ ſuchung ergab ſich aber, daß die Mauer vorher mit Schwefel beſtrichen wor⸗ den war, und der Zauberer verlor ſeinen Ruf.

Bei den Römern war eine Art Kunſtfeuerwerk ſehr beliebt, welches auf beweglichen und bemalten Gerüſten abgebrannt wurde. Von allen Sei⸗ ten mußte das Feuer aus der Vorrichtung hervorbrechen und beſtimmte Fi⸗ guren beſchreiben, bis es endlich mit dem Geſtelle verſchwand. Bei dem erwähnten Hochzeitsfeſte des Cäſars Carinus entzündete ſich durch ein ſolches Feuerwerk die ganze Bühne. Nach Tertullian gab es auch Leute, die ſich anheiſchig machten, eine gewiſſe Strecke in brennenden Kleidern zurückzulegen! In der wundergläubigen ſpäteren Kaiſerzeit ſpielten dieſe magiſchen Künſte, zu denen auch das Eintauchen der Hände in brennendes Pech, Erregung von Donnerſchlägen, Spiegelbilder und Bauchrednereien gehören, eine wichtige Rolle bei den Betrügereien der heidniſchen Prieſter.

Die chriſtlichen Kirchenlehrer der erſten Jahrhunderte tadelten mit Recht alle verwegenen, lebensgefährlichen und dabei ſo unnützen Gauklerkünſte; aber der klare Geiſt eines Chryſoſtomos witterte noch nicht den Pferdefuß unter dem Gewande der Jongleure, und noch der Geſchichtsſchreiber Niko⸗ phoros Gregoras, ein Geiſtlicher, ſagt nach der Schilderung einer egyptiſchen Gauklerbande:Ihre Leiſtungen waren zwar außerordentlich und ſtaunens⸗ werth, hatten jedoch nichts mit teufliſcher Zauberei gemein, ſondern ihre Künſte waren durch eine glückliche Körperlage bedingt, die man durch Uebung zu ſolchen Werken herangebildet hatte. Um ſo verdummter müſſen uns die folgenden Jahrhunderte erſcheinen. Das hochgeprieſene Mittelalter mit ſei⸗ nerNaturunmittelbarkeit, mit ſeinenTönen der Poeſie durch's reiche, bunte Leben, ſeinerRitterlichkeit undLiebesſehnſucht, ſeinerVer⸗ ehrung der Frau, des Herzens wie der Kirche, ſeinerGlaubensſtärke und ſeinem Stolze, der alles Erſchaffene für ſich erſchaffen glaubt, bietet uns in ſeinem Aberglauben eine gar traurige Kehrſeite, welche jene Lichtbilder mit ſehr dunkeln Schatten überzieht. Und ſollte man es wohl glauben, daß ſelbſt noch im Jahre 1739 ein Taſchenſpieler in Polen bis zum Geſtändniß der Hexerei gefoltert und gehängt wurde?

Der großartige Aufſchwung der Naturwiſſenſchaften in unſerer Zeit