Jahrgang 
3 (1867)
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Von Anton Burg. 467

Glaubensbekenntniß ſeines eigenen wilden, reichen und zugleich öden Her⸗ zens. Das Buch iſt der ganze innere Goethe, und alle ſeine nachherigen Dichtungen, inſofern ſie ſich auf ſeeliſche Zuſtände beziehen, wurzeln in Werther's Leiden.*)

Es iſt anzuerkennen, daß in dem ehemaligen Deutſchherrnhauſe, abge⸗ kürzt Deutſchhaus, der damaligen Dienſtwohnung des Amtmanns Buff, Lot⸗ tens Vater, das Lotte⸗Zimmer hergeſtellt und eingerichtet worden iſt, es wird von der Schließerin des naheliegenden Doms gezeigt. Von der Vorſtellung, die man ſich von dieſem Raume macht, wo Jeruſalem Lotte zuerſt erblickte, iſt kaum der Umſtand zu trennen, daß er zu ebener Erde und etwa nach dem Garten gehend hätte belegen ſein müſſen. In Wirklichkeit liegt er eine Treppe hoch und hat ſogar ein Vorzimmer. Ob ſein Mobiliar ganz dasſelbe iſt, das damals hier aufgeſtellt war, mag dahin ſtehen, aus jener Zeit ſtammt es aber, keine Zugabe ſtört, als etwa der Sophateppich, ein guter Gobelin. Sophateppiche gab es damals in bürgerlichen Häuſern ſehr ſelten, und eine Gobelintapete wurde nie dazu verwendet. Doch das iſt eine unerhebliche Nebenſache.

Die in der Schublade einer großen Kommode befindlichen Reliquien aus Lottens und der Ihrigen Beſitz ſind ſicher ächt, denn größtentheils wur⸗ den ſie von der Familie hieher geſchenkt. Dieſe kleinen, nicht eben ſchönen Stickereien ſind in Zeichnung und Ausführung ganz ein Bild des Geſchmackes jener Zeit. Altäre mit brennenden Herzen, Urnen mit Inſchriften unter einer Trauerweide, gekreuzte Fackeln, Blumen, die nirgends wachſen, alles etwas häßlich und ſentimental. Selbſt die praktiſche Lotte, dieſes ächt deutſche Mädchen, mit der Seele ſo klar wie Bergkryſtall, aller Sentimentalität fern, hat geſtickt im Geſchmack ihrer Zeitgenoſſinnen. Vor ihrem Zeichenbuch, das guten Unterricht und eine verſtändige Anweiſung verräth, befindet ſich ihr von eigener Hand geſchriebener Name. Die Züge dieſer Handſchrift findet man genau wieder in dem Facſimile unter ihrer bekannten, weitverbreiteten Photographie. Eine andere, hier gleichfalls vorhandene Photographie, nach einem Oelbilde im Beſitz ihrer Familie, zeigt Lotte als Greiſin. Es iſt etwas ſehr Wehmüthiges, ſie ſich ſo zu denken, und doch iſt es eine intereſſante Jugenderinnerung, ſie als ſolche gekannt zu haben.

*) Es möoͤchten ſich gegen dieſe ganze Auffaſſung doch erhebliche Einwendun⸗ gen finden laſſen.

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