Aus Wetzlar's Vergangenheit und Gegenwart. Von Anton Burg.
Man fährt ſehr raſch auf der Eiſenbahn die kurze Stunde von Limburg nach Wetzlar, könnte aber füglich eine längere Zeit dazu verwenden, die rei⸗ zenden Einzelheiten mit Muße und Genuß zu betrachten. Weilburg, die hübſche, helle, freundliche Stadt mit dem ſtattlichen Schloſſe, und Braunfels, ſcheinbar ein großer Trümmerhaufen, in Wirklichkeit auf Mauern, Schutt und Trümmern, eine lichte lebensvolle und ſchöne Gegenwart, mußten von mir dieſesmal unberückſichtigt bleiben, es war verſagt, ſich an ihnen zu er⸗ freuen.
Die Gegend erweitert ſich, ſie heißt hier umher der Weſterwald. Die Berge ſind zurückgetreten, eine lachende und reiche Ebene, vortrefflich ange⸗ baute Felder, ſehr gut kultivirtes Land, hin und wider unterbrochen von Burgruinen, Wäldern, Ortſchaften, liegt den Reiſenden vor Augen, und Wetzlar iſt der Mittelpunkt dieſer Landſchaft. Dieſe ehemals freie Reichs⸗ ſtadt wurde 1803 mit einem kleinen Gebiet durch Reichsbeſchluß dem dama⸗ ligen Reichserzkanzler und Coadjutor von Mainz, Freiherrn von Dalberg, zugetheilt. Als dieſer deutſche Emporkömmling, im beſſeren Sinne des Wor⸗ tes der Günſtling Napoleons I., im Jahr 1806 als Fürſt Primas mit dem neu geſchaffenen Großherzogthum Frankfurt belehnt wurde, blieb Wetzlar demſelben einverleibt. Im Jahr 1814 kam es mit anderen großen Länder⸗ ſtrecken am Rhein, der Moſel u. ſ. w. unter preußiſche Hoheit und iſt ſeitdem eine Kreisſtadt im Regierungsbezirk Koblenz.
Das Reichskammergericht, dieſer Gerichtshof erſten Ranges, im 16. Jahrhundert errichtet, war von Speier, woſelbſt er bis dahin angeſeſſen war, nach dem Pfälzer Kriege, der ſeine Stätte, wie vieles andere Beſſere und


