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Von Wilhelm Ernft. 463
Mark aufgelegt, welches viel Reiche bewog, nach Holland und England zu ziehen. 1710 wurde dieſes geändert.—
Heutzutage exiſtiren nur zwei jüdiſche Gemeinden in Hamburg. Die portugieſiſche und die deutſch-iſraelitiſche. Erſtere genoß früher allerlei Vorrechte gegen ihre deutſchen Glaubensgenoſſen, namentlich wurden aus ihrer Mitte immer eine beſtimmte Zahl Makler gewählt. 1784 hielt aber die Commerz⸗Deputation beim Rathe darum an, daß auch aus den deutſchen Juden Makler genommen werden ſollten. Sie ſagt in ihrer Eingabe:„Der Einwurf, daß durch Zulaſſung der hochdeutſchen Juden den Chriſten⸗Mäk⸗ lern noch mehr die Geld⸗ und weiße Waaren⸗Makelei entzogen würde, hebt ſich durch die erwieſene Wahrheit, daß in einem freien und handeltreibenden Staate der Kaufmann weder auf Privilegien, noch auf Religion, ſondern auf ſeinen Vortheil ſieht. Wenn er ſolchen findet, nutzt er ihn. Dieſes iſt alſo die Urſache, woher die eben angeführten und noch mehreren Makelei⸗ geſchäfte ſchon jetzt meiſtens in den Händen der hochdeutſchen Juden ſind.“—
In's Brandenburgiſche wandten ſich während des dreißigjährigen Krie⸗ ges wieder Juden, hauptſächlich aus Polen und den öſterreichiſchen Ländern, wo Kaiſer Ferdinand II. und ſeine Vorfahren ihnen einigermaßen Ruhe und Schutz gewährt hatten. Höchſt kläglich blieb aber ihre Stellung in ihrer neuen Heimat. Sie mußten allerlei ſchimpfliche Abgaben: Leibzoll und Thorzoll zahlen, und Friedrich Wilhelm I. zwang ſie ſogar, ihm die Wild⸗ ſchweine abzukaufen, die er auf ſeinen Jagden erlegte und ſonſt nicht zu ver⸗ werthen wußte. Erſt unter Friedrich II. wurde ihre Lage eine beſſere.
In's Braunſchweigiſche und Hannöveriſche wandten ſich nach dem dreißigjährigen Kriege wiederum manche Juden vom Rhein und aus Weſt⸗ phalen. Ihre Stellung war jedoch eine höchſt klägliche. Meiſtens wurden in einer jeden Stadt nur eine beſtimmte Zahl von Familien geduldet, und bevor die Eltern nicht geſtorben waren, durfte ein Sohn nicht heirathen. Geſchunden wurden ſie dabei oft hier und in den angrenzenden kleinen Län⸗ dern in einer Weiſe, welche an die ſchlimmſten Zeiten des Raubritterthums erinnert. So griff im Jahre 1720 ſich der alte Deſſauer den in Hannover wohnhaften Iſaae Berens, als derſelbe zur Meſſe nach Leipzig reiſend, das Anhaltiſche Gebiet berührte, und ließ ihn erſt gegen eine Zahlung von 2000 Rthlr. wieder frei. Aehnliches paſſirte faſt um dieſelbe Zeit einem Lüneburgiſchen Juden Namens Meier in Dömitz in Mecklenburg, Seitens des Herzogs Karl Leopold.—


