Von Wilhelm Ernſt. 459
ſich um's Jahr 1602. Vielleicht würde man auch dieſen die Aufnahme nicht gewährt haben, wenn man nicht ſchon früher vielen reformirten Niederlän⸗ dern, welche vor Alba's Grauſamkeiten ſich hierher gerettet hatten, die Nie⸗ derlaſſung erlaubt und dabei die Erfahrung gemacht hätte, daß der Stadt aus ſolcher Toleranz ein großer Nutzen erwachſen.—
Die Scheiterhaufen und Galgen, mit denen Philipp III. zu Ende des ſechzehnten und im Anfange des ſiebenzehnten Jahrhunderts die ſpaniſchen und portugieſiſchen Juden heimſuchten, trieben viele Tauſende derſelben nach Holland und Emden. Von dort aus begaben ſich bald auch einige nach Ham⸗ burg, doch betrug die Zahl der Familien daſelbſt im Jahre 1606 erſt neun. 1611, den 7. November, beſchloſſen Senat und Bürgerſchaft, ſie unter ge⸗ wiſſen Bedingungen auf unbeſtimmte Zeit in der Stadt zu dulden. Nach⸗ dem noch von den theologiſchen Fakultäten zu Jena und Frankfurt a. O. Gutachten über den Caſus eingeholt worden waren, wurde 1612 ein förm⸗ licher Contract mit den Juden abgeſchloſſen. In dieſem wurde ihnen aufer⸗ legt, alle Bürden mit den Stadtbürgern gleich zu tragen und ſtatt der Ver⸗ mögensſteuer jährlich ein Quantum von 1000 Mark an die Kammer zu zahlen. Außerdem forderte dieſer Contract, daß die Einwanderer ſich künf⸗ tighin nicht beſchneiden laſſen ſollten. Dieſer Punkt ward wohl in Rückſicht auf die lutheriſche Geiſtlichkeit hineingeſetzt, welche von vornherein die Zu⸗ laſſung der Juden mit ſehr ſcheelem Blicke anſah und die man durch die Aus⸗ ſicht, daß die Ankömmlinge ſich mit der Zeit dem Chriſtenthume zuwenden würden, in etwas zu beſänftigen hoffte. Dieſer Punkt des Contractes iſt jedoch niemals zur Anwendung gekommen.—
Zu jener Zeit bewohnten die Juden hauptſächlich die Altewallſtraße, die Herrlichkeit und den Mönkedamm, und in beiden erſtgenannten Straßen hatten ſie damals ſchon Synagogen, von denen jede ihren eigenen Rabbiner und ihr eigenes Schulhaus beſaß. In beiden Gebäuden ward der Gottes⸗ dienſt nach portugieſiſchem Ritus abgehalten, wie es denn zu jener Zeit über⸗ haupt nur ſolche Juden in Hamburg gab, die der ſpaniſchen Monarchie ent⸗ ſtammten. Unter dieſen erſteingewanderten Juden befanden ſich mehrere, deren Nachkommen noch jetzt in Hamburg anſäſſig ſind, auch reiche Leute, und ſie brachten bald einen lebhaften Handel nach Spanien und ſeinen Colo⸗ nien in Gang, der bis dahin nicht in der Stadt betrieben worden war.
Das Gedeihen ihrer portugieſiſchen Glaubensbrüder lockte bald auch deutſche Iſraeliten, um Aufnahme in der Stadt nachzuſuchen. Achtzehn oſt⸗ frieſiſche Juden, welche anfänglich unter dem Schutze der portugieſiſchen
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