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458 Zur Geſchichte der Anſiedelung der Juden in Niederdeutſchland.
ſem Jahre heißt es: 1) am fünften Tage vor Lätare.§. 6. Item, keiner unſerer Bürger darf in irgend welcher Weiſe einige Iſraeliten herbergen; Strafe 10 Mark Silber.— 2) am Sonntage vor Margarethen: Vom Ju⸗ den, daß er, wenn in oder bei der Stadt betroffen, verhaftet werden ſoll.— Gleichzeitig ergingen ähnliche Verfügungen zu Roſtock, Wisby und Stral⸗ ſund, und Lübeck erſuchte den Herzog von Lüneburg, die Juden zur Vernich⸗ tung zu verurtheilen.
Roſtock und Wismar haben ſeitdem nicht wieder, Lübeck erſt ſeit 1848, den Juden ihre Thore erſchloſſen. Sicher iſt der Zuſtand, in welchem ſich der Handel der beiden erſtgenannten Städte befindet, mit dieſer Maßregel zuzuſchreiben. Da die eigentlichen Handelsplätze ihnen verſperrt ſind, haben ſich nämlich in allen kleinen mecklenburgiſchen Landſtädten jüdiſche Engroſ⸗ ſiſten etablirt und nach ihren Wohnorten einen großen Theil der Handels⸗ geſchäfte gezogen, welche naturgemäßer Weiſe den Seeſtädten zufallen müß⸗ ten. Trotzdem verharrt man im Judenhaß; mehrfach iſt neueſter Zeit die von den Gewerken proponirte Aufnahme der Juden in die Stadt mit herben Worten abgeſchlagen.—
Hamburg iſt hauptſächlich durch zwei Urſachen das geworden, was es iſt, nämlich durch ſeine demokratiſche Verfaſſung, die es vor den anderen Seeſtädten voraus hatte, und dadurch, daß ſein Magiſtrat während des ſiebenzehnten Jahrhunderts, nach dem Beiſpiele, das ihm Holland gab, eine weiſe Toleranz gegen Andersgläubige übte. Wäre damals Hamburgs Re⸗ gierung in den Händen einer ariſtokratiſchen Clique geweſen, wie zum Bei⸗ ſpiel diejenige Lübecks es zu jener Zeit war, oder hätte dort eine Erbweisheit von Gottes Gnaden regiert, wie in anderen dieſer alten Städte, ſo würde es höchſt wahrſcheinlich jetzt nur ein Ort von der Bedeutung Harburgs, Glücksſtadts oder Stade's ſein, und das Emporium des deutſchen Handels würde Altona heißen.— Dänemarks Könige, namentlich der große Chri⸗ ſtian IV., waren neben dem Senat von Hamburg die einzigen derzeitigen Regenten deutſcher Länder, die es erkannt hatten, daß der Handel nur dort wirklich gedeiht, wo Freiheit und Humanität herrſchen.
Vor Beginn des ſiebenzehnten Jahrhunderts ſcheinen keine Juden in Hamburg wohnhaft geweſen zu ſein. Allerdings hielt bereits im Jahre 158³3 der Jude Iſaac aus Salzuffeln bittſchriftlich beim Rathe darum an, daß man ihm und zwölf anderen jüdiſchen Familien das Wohnen in der Stadt gewähren möge, doch ſcheint dieſem Geſuche nicht gewillfahrt worden zu ſein. Die erſten beſtimmten Nachrichten, daß Juden in Hamburg wohnhaft, finden


