Von Friedrich Haſenow. 453 „Man ſoll das Schaf ſcheeren, aber nicht ſchinden“. Solch armem Schaf hilft es wenig, daß:
„Mancher ging nach Wolle aus
Und kam geſchoren ſelbſt nach Haus;“
tröſtlicher könnte ihm klingen:„Geſchor'nem Schafe ſchickt Gott gelinden Wind.“ So lange es nämlich die Wolle auf dem Leibe hat, bringt ſie auch dem Schafe ſelbſt den Nutzen, es gegen die Unbill des Wetters zu ſchützen, und:„Das iſt ein faul Schaf, das nicht ſeine eigene Wolle tragen will.“ Aber„lieber die Wolle verlieren, als das Fell,“ welches Schäfer und Hund vor dem Wolfe ſchützen, wenn ſie es aufrichtig meinen, was indeſſen nicht immer der Fall iſt:„dem Schäfer iſt nicht zu trauen, der bei dem Wolf zu Gevatter ſteht.“ Es gibt eben nicht nur„gute Hirten“, ſondern auch„Mieth⸗ lünge“, die wohl wiſſen, daß„geduldige Schafe viele in einen Stall gehen,“ aber nicht immer bedenken, daß„der Wolf auch die gezählten Schafe frißt,“ und auch die Mahnung überhören:„Wenn du die Lämmer nicht achteſt, wird die Heerde bald zu Grunde gehen.“ Wo ein ſolcher Hirt iſt, verdient die Warnung doppelte Beachtung:„Wer ſich zum Schaf macht, den freſſen die Wölfe;“ ein Glück noch iſt für die Erhaltung der Heerde:
„Das Lamm, das einſt der Wolf verwund't,
Das fürchtet nun ſich ſchon vor'm Hund.“
Nicht ſo furchtſamer Natur iſt der Widder, der ſein Gehörn nicht nur zum Staat trägt. Daher:„Wer kahl iſt, ſoll nicht mit einem Widder locken,“ und:„Der Widder ſtößt nur ſtärker, wenn er zurückweicht und einen Anlauf gewinnt.“ Die Neigung, zu ſtoßen, hat der Widder mit dem Zie⸗ genbock gemein, von dem das Sprichwort ſagt:„Je älter der Bock, je här⸗ ter das Horn“ und:„Der Bock läßt wohl vom Bart, aber nicht von der Art.“ Er weiß ſich etwas mit ſeines Hornes Härte und verläßt ſich zuwei⸗ ln mehr darauf, als klug iſt:„Hart gegen hart! ſäd' de Buck un ſtött mit ** Kopp gegen de Hoawerkiſt(ſagte der Bock und ſtößt mit dem Kopf gegen de Haferkiſte).“ Aber alles traut ſich auch ſo ein Bock nicht zu und iſt von üm nicht zu verlangen:„det hölt hart! ſäd' de Buck, doa ſüll he lammen,“ und wenn„Einer den Bock melkt und der Andere das Sieb unterhält,“ ſo hanten beide während der Zeit Nützlicheres treiben. Dem Faulen aber, der ſilbſt die Arbeit ſcheut, die zu ſeinem eigenen Vortheil dienen ſoll, ſagt man


