Jahrgang 
3 (1867)
Einzelbild herunterladen

9 3 4 I 4 ¹ 1 4 1 8. P. 3 4 4 1 . 4 1 44 11 3 1 9 1 1

454 Nicht weither geholt.

wohl:Köp' di'n Buck, denn dörſt nich melken(Kauf' dir einen Bock, dann brauchſt du nicht zu melken)! Der Bock ſelbſt macht gernBockſtreiche und beſonders glaubt er, alle Pflanzen ſeien für ſeine Zähne gewachſen; nicht klüger, als werdas Lamm den Wölfen befiehlt, handelt dahen werden Bock zum Gärtner ſetzt. Dieſer ſucht gern die Schuld des an gerichteten Schadens von ſich abzuwälzen, ſchließt auch wohl von ſich auf Andere:

Was der Bock von ſich weiß, Das ſchiebt er auf die Geiß.

Dieſe gibt ihm übrigens an Gefräßigkeit nicht viel nach, es heißt ja nicht umſonſt:Wer ſich grün macht, den freſſen die Ziegen. Wie ſchwer ſo ein Thier zu hüten iſt, hat bekanntlich der heilige Petrus erfahren, aber wer A geſagt hat, muß B ſagen:Wer eine Geiß anbindet, muß ſie hüten. Den Ziegen nicht allein ſagt man nach, daß Alter nicht vor Thorheit ſchützt:Alte Geißen lecken auch gern Salz, und daß Art nicht von Art läßt:die Zick⸗ lein heißen alle wie ihre Mutter Geiß. Und auch nicht beim Ziegenge⸗ ſchlecht allein trifft zu:Wer eine Geiß im Hauſe hat, dem kommt der Bock vor die Thür.Für ſolche Mäuſe thut's ſolcher Speck, obgleich gerade von Speck bei Ziegen nicht viel die Rede ſein kann; man ſagt:Er hat's in ſich wie die Ziegen den Speck, von Einem, der gern glauben machen möchte, erkönne es nur nicht ſo von ſich geben, deſſen Schafskleid man aber im Grunde für ſein eigen Fell hält.

Ihre Magerkeit wirft man den Ziegen jedoch nicht vor:Die mageren Ziegen geben die meiſte Milch. Wenn aber ein Frauenzimmer plattdeutſch olle Zick genannt wird, ſo drückt das gewöhnlich außer der Bezeichnung der Magerkeit noch eine gewiſſe Verachtung aus, es liegt daher eine, ſonſt auch bei dem Bauern keineswegs häufige Gleichgültigkeit gegen den eigenen Stammbaum in dem Wahlſprüchlein, das man in Mecklenburg hört:Weer min Moder ok'n Zeeg', un ik harr' deſt beter'n Deeg(Wär' meine Mutter auch eine Ziege, und ich hätte deſto beſſeres Gedeihen)! Gering geachtet wird die Ziege, die man auch nur ihrer Milch wegen hält, beſonders der Kuh gegenüber, ſie heißt in manchen Gegendendes armen Mannes Kuh. So meinte es der Schneider aber nicht, der da ſagte:Was Einer hat, das hat er! ließ ſeine Kuh aus dem Stall, da war es'ne Geiß. Nach anderer