Allerlei Curioſa.
Mitgetheilt von
Wilhelm Ernſt.
3. Der Wels.
Gut eſſen iſt eine Kunſt, viel eſſen iſt jedoch auch eine. Zu Bök am
Wände d
Mae Müritzſee, im Lande Mecklenburg, lebte ehedem ein Kerl, der mehr verſchlin⸗ d 9 7 gen konnte, als ſonſt wohl ihrer zehn vermögen. Einſt wurde in Bök, als a, ſtellte ſſ
gerade mehrere Preußen beim Gutsherrn zum Beſuche waren, ein unge⸗ wöhnlich großer Wels gefangen. Die Fremden bewunderten den Fiſch.„Da könnte ja, auf Ehre, eine ganze Compagnie davon geſättigt werden!“ be⸗ merkte einer von den Preußen.—„'ne ganze Compagnie?“ entgegnete der Gutsherr,„Sie ſpaßen wohl? Ein ächter mecklenburgiſcher Kerl, der ißt den ganzen Fiſch in einer Mahlzeit auf.“—„Den ganzen Fiſch in einer Mahlzeit?— Das kann nicht angehn!“— Kurz, es kam darum zu einer Wette. ⸗ 3 Der Gutsherr ließ nun jenen Eſſer kommen und zeigte ihm den Fiſch. 4 „Warſt em wohl över, Hans?“—„Oh Herr, dat denk ich wohl.“—„Ik heff di doarup werrt(gewettet); hüt Abend ſallſt em ſpiſen.— Up mutt he di.(Auf muß er.)“—„Wenn ik man orrig daarbi to drinken heff.“— „Dat ſall nich fehlen.“— Und damit ging denn Hans zu Dorf, der Guts⸗ herr aber in die Küche, denn der Fiſch war wirklich ausnehmend groß, und cootz Hanſens Vertrauen befiel jenen die Sorge, daß ſein Mann ihn die Wette ’ verlieren ließe, falls er ihm die Sache nicht nach beſter Möglichkeit erleich⸗ leere. Demnach gab er Ordre, daß man den Wels theils braten, theils als
Hausblätter. 1867. III. Bd. 29


