Jahrgang 
3 (1867)
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448 Bürglen auf der Höhe. Von Walderich von Sanct Trutbert

dadurch zu repariren, daß du ſie unweigerlich heiratheſt und zwar noch wäh⸗ rend unſeres kurzen Aufenthalts auf Bürglen. Du wirſt ſie als ein Kleinod unſeres Fürſtenthums auch allezeit in Ehren halten. Das Uebrige mach' jetzt mit ihr ſelber aus, und wenn ihr miteinander einig ſeid, ſo kommt zu mir herein. Adieu Kinder.

Wendelieb, rief Friedrich, als er mit ihr allein war,bin ich dein noch werth und kannſt du den noch lieben, der deinen Werth ſo ſchlecht er kannte? Sie ſchloß ihm den Mund mit dem ihren zu. Nachdem ſie einander gar viel erzählt hatten, begaben ſie ſich zu dem Oheim, der nach dem gemeinſchaftlichen Abendeſſen ſeinem Kaplan auftrug:Sie werden die Güte haben, das Paar übermorgen in unſerer Schloßkapelle zu trauen. Sie aber, Herr Amtmann, werden in unſerem Namen das Hochzeitmahl unſer würdig bereiten laſſen und nicht vergeſſen, den Vater und die Ge⸗ ſchwiſter der Braut einzuladen, die für hübſche Brautfräulein aus der Nach⸗ barſchaft ſorgen mag.

Die Trauung wurde feierlich vollzogen; im Saal, deſſen Wände der kunſtliebende Abt mit Gemälden längſt bedeckt hatte, wurde das Mahl auf⸗ getragen, an welchem eine zahlreiche Geſellſchaft geiſtlichen und weltlichen Standes theilnahm. Als die Gäſte ihre Geſchenke präſentirten, ſtellte ſich auch der Schwiegerpapa ein und überreichte eine blank gefegte engliſche Doppelbüchſe, die der Herr Tochtermann im Park einſt mitzunehmen ver⸗ geſſen hatte.Und der Peter? fragte dieſer.Der iſt noch der Alte und fahndet nach den Wilderern.Und Wunderliebs weiße Hindin? Ja, Herr Tochtermann, die mußten wir als fürſtliches Inventarſtück zurücklaſſen, haben aber durch den Peter die Nachricht erhalten, daß ſie ſeit dem Abſchied der Wendelieb nicht mehr gefreſſen hat und eines Morgens todt vor der ehemaligen Schlafkammer ihrer Pflegerin gefunden wurde. Der Peter hat ſie vor dem Stein am See begraben und drei Salven über ihrem Grab abgefeuert. Es iſt doch etwas Schönes um die Treue bis in den Tod, das werden Sie durch mein liebes Kind erfahren, deſſen ich nie werth geweſen.

Friedrich und Wendelieb überlebten beide den edlen Oheim und ſein Kloſter, aber ihrer Liebe Glück überlebten ſie nicht, und wenn ſie noch leben, ſo haben ſie es noch, wie alt ſie auch ſind.