Jahrgang 
3 (1867)
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Von Walderich von Sanct Trutbert. 447

lautete der Beſcheid. Der gnädige Herr ſchaute ſich nach der Kranzkflech⸗ terin um, die ihr Kränzchen ſich auf's Haupt geſetzt hatte und es haſtig herab⸗ nahm, als ſie ſich beobachtet ſah.Setz' es wieder auf, es hat auf deiner Stirne den rechten Platz, und ſtell' dich hier neben mich, ohne mir von der Seite zu weichen, mag geſchehen, was da will. Sie ſtand mitten im Garten vor der Fontaine neben ihm, mit dem Kranz geſchmückt. Die Gold⸗ fiſchchen wiegten ſich im Becken des Springbrunnens, und die Droſſeln und Amſeln ſangen luſtig aus dem Wald herauf, als der Amtmann mit dem Jäger eintrat.

Hör' Er, mein Förſter, ſprach der gnädige Herr mit ungnädiger Miene, aus welcher aber etwas hervorlugte, das mit der Ungnade im Kampf war,ich muß Ihm ſagen, daß mir dieſes ſchuldloſe Lamm da alles bekannt hat und daß für einen Rabenvater Seiner Art kein Galgen zu hoch iſt. Um der heroiſchen Tugend Seines treuen Kindes willen muß ich Ihm Seine Niederträchtigkeit freilich verzeihen. Geh' Er hin und zeige Er die Früchte gründlicher Beſſerung. Damit ſie Seiner Schwachheit möglich werde, wol⸗ len wir Sein Amtseinkommen aufbeſſern. Wir haben es Ihm bisher zu kärglich zugemeſſen und tragen dadurch einige Mitſchuld an dem Skandal, den Er herbeigeführt. Für die Ihm zugekommenen achthundert Gulden kann Er ſich gelegentlich bei meinem Amtmann bedanken. Laß Er Seine Seufzer und Kratzfüße, halt' Er ſich aufrecht und ſchau' Er ſich nach einer geſcheidten Frau für Seine Kinder um, denn über Seine Wendelieb werden wir, mit Seiner Erlaubniß, anderweitig verfügen. Geh' Er getroſt, wir verbleiben Ihm in Gnaden gewogen. Der Förſter ſcharrte mit ſeinem letzten tiefſten Kratzfuß den Sand vom Wege auf und entfernte ſich in Zerknirſchung und Dankhbarkeit.

Du weiſeſter der Amtleute, ſprach der Abt zu ſeinem Neffen,magſt nun wiſſen, daß ſich dies ſchuldloſe Mädchen in Schmach und Bande durch dich werfen ließ, um Vater und Geſchwiſter zu retten und deine Jurispru⸗ denz meiſterlich belogen hat. Geſteh's ihm, Kleine, ſolch' geſtrengem Macht⸗ haber muß man alles haarſcharf bekennen, wenn man mit ihm auf erträg⸗ lichem Fuße ſtehen will.Oh gnädigſter Herr, ich bekenn' es ihm ja mit Freuden jetzt und will's gewiß nicht wieder thun.Das hoffen wir von dir, und iſt der Herr Amtmann nun zufrieden?Nein, hochwürdigſter Herr, ich bin äußerſt unzufrieden mit mir ſelber.Das läßt ſich hören, und du kannſt nur zum Frieden kommen, wenn du dem mißhandelten Mäd⸗ chen volle Satisfaktion gibſt. Ich befehle dir daher, die Ehre dieſer Junfrau