Jahrgang 
3 (1867)
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Von Walderich von Sanct Trutbert. 441

Verbrechen als Kaſſendiebſtahl, nicht als Fälſchung heraus, das Mädchen blieb die Schuldige.

Der tiefbekümmerte Amtmann fragte ſie, ſchon hoffnungslos, nach wei⸗ teren Angaben und ſie erwiderte:ich habe eine Bitte vorzubringen, wenn die ſchuldig und verächtlich vor Ihnen Stehende ſie noch wagen darf. Sie ſandten mir einſt dieſen Ring, fordern Sie ihn nicht von mir zurück. Ich dachte ſeit fünf Jahren ſo oft deſſen, der ihn mir geſendet hat, ohne Hoff⸗ nung, ihn jemals wieder zu ſehen, und jetzt tritt er vor mich als ein Rich⸗ ter, der mich verderben muß.Ja, den Ring behalten Sie, er mahne Sie auch in Ihrem Elend noch an den, der Sie betrauert, wie er nie einen Menſchen betrauern kann, und der nicht ruhen wird, bis er Ihr Loos erleich tert hat. Wendelieb, was haben Sie ſich und mir gethan! Er drückte ihre Hand und eilte hinaus.

Im Vorzimmer befahl er dem Amtsdiener:Das unglückliche Mäd⸗ chen führſt du in ein anſtändiges Zimmer, das du mit allem Erforderlichem ausrüſteſt; ihre Koſt empfängt ſie aus meiner Küche; auch mag ſie täglich einige Abendſtunden ſich im Garten ergehen. Ihre Wünſche wirſt du mir ſchleunig mittheilen. Friedrich zog ſich in ſeine Wohnung zurück, um ſie nicht als eine Gefangene abführen ſehen zu müſſen.

An einem der folgenden Tage ſtellte er ſie ihrem Vater gegenüber, der hm immer noch verdächtig ſchien, weil er jene Holzgeldregiſter erſt im ſpäte⸗ ren Verlauf der Unterſuchung vorlegte und damit den Verdacht auf ſich lud, Fälſchungen beabſichtigt zu haben, um ſeinen Kaſſenreſt zu verdecken, was auch wirklich ſeine Abſicht geweſen war. Die Tochter ſtand auch hier für ihn ein mit dem Geſtändniß, ſie habe die Papiere beſeitigt, um den Vater ſiche⸗ rer zu täuſchen, und ſie ihm erſt zurückgegeben, als ſie das Amt von ihm ge⸗ fordert habe und ſie dem bedrängten Mann das Geſtändniß ihrer Schuld ablegte. Der Vater, von ihren Blicken wie beherrſcht, widerſprach ihren An⸗ gaben nicht, bat aber, als er entlaſſen wurde, mit heißen Thränen um Er⸗ barmung für ſein unglückliches Kind, dem der Amtmann den Troſt gab: Deines Vaters Redlichkeit kann wenigſtens nicht mehr rechtlich angefochten werden, der Vorwurf einiger Nachläßigkeit in der Führung ſeiner Rechnung und Kaſſe wird ſeine Exiſtenz nicht gefährden, und ſein ſchwankendes Beneh⸗ men während der von ihm beſtandenen Verhöre ſpricht für ſein Herz, er wollte ſein Kind ſchonen, das ihm ſeine Schuld bekannt hatte.

Friedrich ſann auf ein Mittel zur Strafmilderung für die Unglückliche