Jahrgang 
3 (1867)
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438 Bürglen auf der Höhe.

der ſich großer Unterſchlagungen verdächtig gemacht hatte. Die Zeugenver⸗ höre ſtellten heraus, daß er gar manchen Holländer und viele Klafter Brenn⸗ holz zu ſeinem Nutzen auf Koſten ſeiner Herrſchaft verkauft hatte, und die Summe, die er ſich allmälig zurückbehalten, erreichte den Betrag von acht⸗ hundert Gulden. Der Mann war Wittwer und Vater von acht Kindern, die er mit ſeinem kärglichen Einkommen nicht ernähren konnte. Er war als ein häuslicher Menſch bekannt, der ſich ſelbſt keine unmäßigen Genüſſe er⸗ laubte und durch ſeines Hauſes Noth zum Verbrecher wurde. Den Be⸗ laſtungszeugen gegenübergeſtellt, konnte er ſich trotz aller Beſchönigungen, die er verſuchte, nicht reinigen und ſah der nächſten Tagfahrt mit Entſetzen entgegen. Die Vorladung kam und lautete auf den morgenden Tag, der ihm Amt, Brod, Freiheit und Ehre zu nehmen drohte.

Der Vorgeladene war von jeher ein charakterloſer Mann geweſen, der ſich mit leichtem Gewiſſen einen ungeſetzlichen kleinen Vortheil gelegenheit⸗ lich zuzuwenden gewußt und nun, da ihm viel anvertraut war und die drän⸗ gendſten Nahrungsſorgen über ihn herfielen, zu Fall kam. Seinen Kindern hatte er in ſeiner Gleichgültigkeit die bedrängte Lage, in der er ſich befand, nicht anvertraut, der älteſten neunzehnjährigen Tochter die Mittel zu Beſtrei⸗ tung des Hausweſens ſtets gereicht, ſo daß dieſe in voller Sorgenloſigkeit dahinlebte, bis das Verderben hereinbrach. Mit ihr und den jüngeren Kin⸗ dern nie vertraulich lebend, fand er jetzt niemand, dem er ſein bedrängtes Herz ausſchütten konnte. Ganz an ſich ſelbſt gewieſen und in ſich gar keinen Troſt und Halt findend, mußte der Unglückliche verzweifeln.

Starr und fühllos geht er in den Wald, lehnt ſich lang in finſteres Hin⸗ brüten verſunken an eine Tanne, zieht endlich den rechten Stiefel aus, ſetzt ſein Gewehr an den Mund und hebt den Fuß an den Hahn, um mit der großen Zehe loszudrücken. Ehe er die verhängnißvolle That vollbringt, wird ihm die Waffe auf die Seite geſchlagen und neben ihm ſteht weinend und zitternd ſeine älteſte Tochter. Zornig fährt ſie der Vater an:Du haſt hier nichts zu thun, geh' augenblicklich!Vater, oh Vater, ſeit heute erſt weiß ich, wie es mit dir ſteht, und mir ward ſo bang um dich; da ſeh' ich dich blaß und knirſchend nach der Flinte greifen und in den Wald gehen, und mir fährt's wie ein Gotteswort durch's Herz: dein Vater will ſich umbringen, eil ihm nach, rett' ihn!Was retten! ruft er hohnlachend,mit dem hat's für mich ein Ende. Geh' und laß mich ſterben und Gott erbarme ſich eurer. Ich weiß mir nicht anders zu helfen, bin ein verlorener Mann.