Von Walderich von Sanct Trutbert. 437
ſteht in guter Hand. Vielleicht bin ich der letzte Abt, den ſie hier begraben.“ —„Hochwürdigſter Herr,“ erwiderte Friedrich,„ich bin der Sohn meiner Zeit und denke mit ihr zu gehen; aber ſo lang Sie leben, will ich in Ihrer Nähe ſein und unter Ihrer Leitung wirken, darum bitte ich Sie, über mich zu verfügen.“— „Da weiß ich Rath, mein Sohn,“ verſetzte der Abt.„Iſt dir's recht,
wenn wir dich nach Bürglen entſenden? Wir bedürfen dort einer jugend⸗ lichen Kraft, die unſer Eigenthum und Anſehen aufrecht hält, die Gefälle verwaltet, regiert und Recht ſpricht im kleinen entlegenen Bezirk. Du wäreſt der Mann zu dieſem Factotum, und daß ich's nur geſtehe, ich möchte mich deines Umganges freuen, ſo oft ich meine Sommerfriſt dort auf unſerem ſchönſten Sitze halte. Du kennſt es ja, das freundliche Schloß auf ſeiner Höhe, um die das Rheinthal im breiten Bogen ſich ausweitet, mit dem herr— lich geſchwungenen Strom in ſeiner Mitte. Vor dir bekränzen die oberen Vogeſen den Horizont, zu deiner Linken das Baſeler Land mit dem Jura und den Alpen, zur Rechten ſteigt das Breisgau, prangend von ſeinen Wald⸗ bergen herunter bis an den Rhein, ein Gottesgarten ſo vieler glücklicher Menſchen.“—„Ja, Herr Oheim, und hinter dem Schloß der blumenreiche Garten, an den der dunkle Wald aus ſeinen Tiefen herauflangt, aus denen
die Burgtrümmer ſo ſchwermüthig heraufſchauen, und den Hintergrund bil⸗ det des Schwarzwalds höchſte Bergreihe mit den ſonnigen Waiden auf den
Höhen und dem gelben Pfriemenkraut an den Halden. Wiſſen Sie noch,
ich ſtand einmal in meinen Knabenjahren neben Ihnen auf der Freitreppe,
die in die Vorhalle führt, und ließ mir von Ihnen Gebirg und Thäler,
Flüſſe, Burgen, Städte und Dörfer nennen, was mir alles ſo wohl gefiel,
daß ich zu Ihnen ſprach:„das müſſen Sie mir alles ſchenken, wenn ich groß
bin!“ Da lachten Sie und der Pater Anſelm, der daneben ſtund, hell auf,
ich aber wurde ſehr betrübt und fing zu weinen an, weil man mich auslachte.
Und Sie tröſteten mich, nach Ihrer milden Weiſe, mit der Verheißung:„ein
Stücklein von der Herrlichkeit kann einmal für dich abfallen.“ Und das
nehme ich jetzt mit tauſend Freuden aus Ihrer gnädigen Hand an.“
Die Beſtallung wurde ausgefertigt, der neue Amtmann reiste an den
Ort ſeiner Beſtimmung. Bald war er von Geſchäften belagert, durch die er ſich ritterlich durchkämpfte. Nur eins derſelben vermochte er nicht nach ſeinem Wunſch zu bewältigen; es koſtete ihn nicht nur ſaure Arbeit, ſondern den Frieden ſeiner Seele. Ein Forſtdiener wurde in Unterſuchung gezogen,


