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Von F. L. Reimar. 425
er. Sie ſprang auf und hatte in der nächſten Sekunde ihre Arme um An⸗ tons Nacken geſchlungen. Dellitz zog ſich leiſe zurück.
Wohl eine Stunde waren die beiden jungen Leute beiſammen, bis der Zeiger der Uhr Anton erinnerte, daß der unabweisliche Moment der Tren⸗ nung gekommen ſei. Er wollte zu Fuß nach einer benachbarten Eiſenbahn⸗ ſtation, um noch mit dem Abendzuge in die Reſidenz zu gelangen, wo er hin⸗ fort bleiben und die ſo lang unterbrochenen Studien aufnehmen ſollte. Bertha begleitete ihn durch den Garten, aus welchem ein Pförtchen auf die Land⸗ ſtraße führte, und thränenden Auges drückten ſich beide die Hände zum letz⸗ ten Abſchied. Eine Weile noch ſah ſie ihm nach, bis ſeine Geſtalt in der Dämmerung des hereinbrechenden Abends verſchwunden war, und es muß⸗ ten ſchmerzliche Gedanken ſein, die ihn begleiteten, denn es zuckte wehmüthig um den kleinen Mund.
Als ſie ſich endlich langſam umwandte, um in's Haus zurückzukehren, ſtand Dellitz hinter ihr. Sein Anblick verwirrte ſie diesmal nicht, wie beim Wiederſehen am Morgen, vielmehr ſah ſie ihn mit aufleuchtenden Augen an. „Ich weiß es jetzt, wer für Anton das Herz des Fürſten erweicht hat, wem er die Neugeſtaltung ſeines Schickſals verdankt! Wir beide können nie auf⸗ hören, Ihnen für Ihre Großmuth zu danken!“ ſagte ſie bewegt.—„Hat Anton geplaudert?“ fragte er, und es ſchien, als wollte ſich eine kleine Falte auf ſeiner Stirn zuſammenziehen.—„Oh nein! Ich ahnte den Zuſammen⸗ hang und ſetzte ihm durch meine Fragen ſo zu, daß er mir zuletzt ſagte:„Ich habe freilich verſprochen, zu ſchweigen, aber Gott und der edle Mann ſelbſt werden mir den Verrath verzeihen, wenn ich auch dich zur Dankbarkeit auf⸗ fordere.“
Dellitz ſchwieg einige Augenblicke; dann ſagte er:„Sie haben weniger Grund zur Dankbarkeit, als Sie glauben.“— Sie ſah ihn verwundert und fragend an. Er fuhr fort:„Meine perſönlichen Verbindungen machten es mir leicht, in die Nähe des Fürſten zu kommen und ſein Ohr zu gewinnen; meine Verhältniſſe aber geſtatteten mir, die Zukunft des jungen Mannes ordnen zu helfen, ohne daß dieſe Hülfe im geringſten ein Opfer genannt wer⸗ den könnte. Und zudem,“ fügte er leiſer hinzu,„ich möchte in Anton meinen Bruder ſehen, weil Sie ihn Ihren Bruder nennen.“—
Sie wagte keine Antwort.„Bertha,“ fuhr er erregter fort,„wollen Sie mir auch in Zukunft geſtatten, für ihn als meinen Bruder zu ſorgen? Und noch mehr: wollen Sie mir das Recht geben, meine Hand auch über


