Jahrgang 
3 (1867)
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424 Täuſchungen.

ſchlagung einer Unterſuchung anzutragen. Die Fürſprache kam von anderer Seite. Doch laſſen wir das, fügte er raſch hinzu,denn ich habe Ihnen noch mehr zu ſagen! Es hieße nämlich, Ihren Pflegebruder nur befreit zu haben, um ihn einer neuen Feſſelung peiszugeben, wenn wir ihn wieder in ſeine frühere Stellung zurückkehren laſſen wollten. Ich habe mich überzeugt, daß Anton Geiſt und Kenntniſſe hat, die ihn befähigen, eine wiſſenſchaftliche Carridre zu verfolgen, für die ja ohnehin ſeine Neigung ſpricht. Vorzüglich hat er ſich dem Studium der Naturwiſſenſchaften zugewandt, und ſo zweifle ich nicht, es wird ihn mit Freude erfüllen, wenn wir ihm die Möglichkeit zeigen, daß er dasſelbe zu ſeinem Brodſtudium wählen darf.

Es war ſein höchſter Wunſch, fiel Bertha ein,aber mein Vormund erklärte, es ſei nicht daran zu denken, daß ſich die Mittel aufbringen ließen. Die Mittel haben ſich jetzt gefunden, liebes Fräulein!Oh, Sie haben meinen Vormund bewogen, ihm einen Antheil von meinem Vermögen zuzugeſtehen? Dank, tauſend Dank dafür! rief ſie in freudigſter Aufwal⸗ lung. Wieder flog ein eigenthümliches Lächeln über Dellitz' Geſicht. Vormünder pflegen ſolchen Bitten gegenüber von einer merkwürdigen Zähigkeit zu ſein und ich fürchte, an dem Ihrigen iſt in dieſer Beziehung Hopfen und Malz verloren. Aber was wiſſen junge Mädchen von ſolchen Dingen, was verſtehen ſie überhaupt von Geldangelegenheiten! Darum, denke ich, laſſen wir dieſe ganz ruhen und beſchäftigen uns nur mit der Zu⸗ kunft unſeres jungen Freundes ſelbſt!

Sie wollte noch etwas entgegnen, aber der Eintritt des Pfarrers und gleich darauf der ſeiner Familie unterbrach die Unterhaltung, und ſie fand keine Gelegenheit mehr zu einer beſonderen Beſprechung mit Dellitz. Am Nachmittage ſah ſie ihn ausgehen, und ihr Herz ſagte ihr, zu wem ihn ſein Weg führte. Mit ihren Gedanken war ſie beſtändig bei dem Freunde ihrer Jugend und dem, der ſich ſeiner ſo rettend angenommen hatte. Es entging ihr dar über, daß in dem Hauſe heute eine ungewöhnliche Unruhe herrſchte, daß der Pfarrer mit ſeiner Frau, und die Mutter wieder mit den Töchtern aller⸗ lei geheime Beſprechungen hielt und man ſie darüber viel ihrer eigenen Ge⸗ ſellſchaft überließ.

Aus ihrem Sinnen wurde ſie gegen Abend durch Dellitz' Stimnie auf⸗ Viürei der unbemerkt mit einem jungen Manne in's Zimmer getreten

Hier bringe ich Ihnen den Bruder zu einer Abſchiedsaudienz! ſagte