Jahrgang 
3 (1867)
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Von F. L. Reimar. 423

haupt dieſelbe fördern, wenn ſie fort war? Und zudem hatte ſie nicht einmal die Beruhigung, durch Paulinens Entführung ein gefährliches Hinderniß aus dem Wege geräumt zu haben, denn die Mutter hatte Bertha's wieder⸗ holten Bitten endlich eine entſchiedene Weigerung, Paulinen die Reiſe zu ge⸗ ſtatten, entgegengeſetzt.Man kann nicht wiſſen, was vielleicht in nächſter Zeit hier im Hauſe vorgeht, wobei Pauline nicht fehlen darf, hatten ihre etwas räthſelhaften Worte, auf deren nähere Erklärung ſie ſich jedoch nicht einließ, gelautet, und Pauline hatte dazu ein ſo verſchmitztes Geſicht gemacht, überhaupt ſo wenig Bedauern über die Vereitlung der Reiſepläne gezeigt, daß Bertha ſich innerlich indignirt fühlte.

Im Uebrigen geſtaltete das Leben im Pfarrhauſe ſich wieder freund⸗ licher. Der Vater war von ſeinem Podagra befreit und die Familie fand ſich in alter Weiſe im Wohnzimmer zuſammen; ja, es ſchien Bertha, als wenn der kleine Kreis durch eine beſonders heitere Stimmung, der nur ſie ſich nicht recht anzuſchließen vermochte, belebt würde. Endlich kehrte auch Anna zurück, von allen mit großer Freude und Innigkeit begrüßt, vorzüglich jedoch von Bertha, die ſie mit einer ihr ſonſt nicht eigenen Weichheit empfing. An demſelben Abend noch traf ein Brief von Dellitz an den Pfarrer ein, der die Verlängerung ſeiner Reiſe mit unvorhergeſehenen Geſchäften entſchul⸗ digte und ſeine Rückkehr für den folgenden Tag verkündete. Bertha ſeufzte tief auf, als der Pfarrer den Seinigen die Mittheilung machte; es war ihr, als müſſe jetzt die Entſcheidung erfolgen.

Am anderen Morgen ſchon traf Dellitz ein. Da man ihn erſt einige Stunden ſpäter erwartet hatte, war die Familie bei ſeiner Ankunft nicht ver⸗ ſammelt und er traf Bertha im Wohnzimmer allein. Unwillkürlich erröthete ſie, als ſie ihn erblickte, und ſagte dann raſch, nachdem ſie ſeine Begrüßung erwidert hatte:Haben Sie über Antons Schickſal etwas erfahren? Es iſt alles nach Wunſch, ſelbſt über unſer Wünſchen gegangen! antwor⸗ tete er in erregtem Ton.Durch die Gnade des Fürſten iſt die Unkerſuchung miedergeſchlagen worden und Anton darf ſich vollkommen frei und ſicher füh⸗ len.Oh Gottlob! Gottlob! jubelte Bertha auf, und diesmal vergaß ſie mit einem Seufzer an Antons Zukunft zu denken.Waren Sie bei mei⸗ nem Vormund? Hat er das alles bewirkt? fragte ſie athemlos:

Ein Lächeln glitt über Dellitz' Geſicht.Bei Ihrem Vormund war ich allerdings und habe alle Urſache, mich mit ſeiner Aufnahme zufrieden zu fühlen, aber Criminalrichter pflegen nicht mit beſonderem Eifer auf Nieder⸗