Jahrgang 
3 (1867)
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Von C. W. Stuhlmann. 19

ſtattfinden ſollte, war nun jene junge Dame, welche von dem, was bevor⸗ ſtand, gar keine Ahnung hatte, zufällig in das Quartier des Generals ge⸗ kommen. In jugendlicher Unerfahrenheit und Neugier hatte ſie dort eine der an der Wand hängenden Piſtolen herabgenommen. Sie hatte ſie ge⸗ ſpannt und plötzlich hatte ſich das Gewehr entladen und die Kugel, welche dem Nebenbuhler zugedacht geweſen war, war der Geliebten mitten durch das Herz gegangen. Jene Kugel war aber die, welche jetzt zwiſchen den Pettſchaften an der Uhrkette hing.

Dieſe Erzählung führte die Knaben auf Geſpräche von Krieg und Soldatenthum.Wenn ich nur nicht den verdammten Buckel hätte! ſagte der kleine Heinrich.Dann würdeſt du am Ende auch ein Gene⸗ ral? lachten die anderen Knaben.Warum auch nicht? meinte Fritz Koch,es hat ſchon Generale gegeben, die einen Buckel hatten.Das wär' der Teufel? rief verwundert der Kleine aus.Ich habe gemeint die Sakramenter von Offiziers ſchöſſen einen jeden aus, der nicht ſo gerade wie ein Talglicht. Wie hießen denn aber jene Generale, die ihren Torniſter immer mit zu Bett nahmen? Nun erzählte Fritz Koch von dem großen Marſchall Luxembourg und vom Prinzen Eugen und von dem tapferen Kö⸗ nig von England, Wilhelm, dem Holländer. Des kleinen⸗ Heinrichs Augen blitzten, und als der alte Freund geendet hatte, rief er:Wenn es ſo um die Katz ſteht, werde ich kein Schneider, ſondern ich werde ein Soldat! Dann ergriff er einen Feuerhaken und ſchwenkte denſelben wie ein Sponton. Schultert's Gewehr! Präſentirt's Gewehr! rief er und machte dabei die betreffenden Handgriffe. Und dann ſchlug er ſich vor die Bruſt: hier ſteht Marſchall Heinrich Neubauer. Macht ihm die Honneurs!

Die anderen lachten, Fritz Koch lachte auch.Aus einem Schneider iſt auch ſchon einmal ein Feldmarſchall geworden, ſagte dieſer dann, und auf der Knaben Nachfrage erzählte er nun von dem alten Derfflinger.Der hat den preußiſchen Waffenruhm zuerſt zu Ehren gebracht, ſo ſchloß Fritz Koch,und tapfer und ſcharf wie ſein Degen war, war auch ſeine Zunge. Als einſt ein übermüthiger Prinz ihn fragte: ob es wahr ſei, daß er in ſei⸗ ner Jugend ein Schneider geweſen, da erwiderte der alte Held:ja wohl war ich das. Und ich führe auch noch die Elle, womit ich jedem Narren das Maß zu nehmen weiß, und dabei ſchlug er an ſeinen Degen.Der war ſchön abgetrumpft, wie der Däne vor Gadebuſch! jubelte Heinrich.

Nunmehr wurden allerlei Spiele geſpielt; Räthſel gerathen und alte 2 5