14 Gott ſteuert die Bäume, daß ſie nicht in den Himmel wachſen.
man gar nichts ſchenken!“ fuhr eifrig der Kleine fort,„das Rackerzeug ſchreibt's ſofort in's Kirchenbuch und prätendirt's dann Jahr für Jahr wie⸗ der. Kannſt gewiß ſein: nächſten Herbſt fordert der Küſter wieder ein Pölk von dir, und kann er's nicht kriegen, macht er ſich an deinem Buckel bezahlt. Und was wird nun erſt gar deine Stiefmutter ſagen? Die läßt ja wohl Teu⸗ fel und Todte auferſtehen.— Junge, Junge, da haſt dir'ne Suppe einge⸗ rührt, die ich nicht mit auseſſen möchte!“—
Gottlieb erwiderte hierauf nichts, ſondern ſah verlegen vor ſich nieder. Als jedoch Heinrich mit ſeiner Predigt gar nicht zu enden wußte, ſah er ihn zuletzt mit einem flehenden Blicke an.„Heinrich,“ ſagte er dabei,„nun ſprich nicht mehr davon; geſchehen iſt geſchehen. Ich ſage dir: wenn's Schwein auch von eitel Gold geweſen wäre, hätte ich es doch der Mine ſchen⸗ ken müſſen.“—„Von Gold war es nicht, aber doch immer ſeine ſechs Tha⸗ ler werth,“ brummte Heinrich, und nach einer Minute fügte er hinzu:„wäre der Küſter nicht ein alter Gierhund, er hätte es niemals von dir ange⸗ nommen.“—
Madame Kreuz erhob in der That über die Muniſicenz ihres Stiefſoh⸗ nes ein gewaltiges Gezeter.—„Gleich holſt du mir das Schwein von dem Küſter wieder!“ ſchrie ſie und ſchwang dabei den Knieriemen gegen den Knaben. Hätte man aber Gottlieb auch todt geſchlagen, er hätte ſein Ge⸗ ſchenk nicht zurückgefordert, und der Herr Cantor und ſeine Gattin waren auch nicht die Leute, das wieder heraus zu geben, was ſie einmal als ihr Eigenthum zu betrachten ſich gewöhnt hatten.
3.
Was des Einen Nachtigall, iſt des Andern Eule, und aus demſelben Baumſtamm zimmert man für Hans das Brautlager und für Kunz den Sarg. Bei jeder Kunde, welche von dem Wohlergehen des Schweins in's Publikum kam, hagelte es neue Püffe und Scheltwörter auf Gottlieb. Der Herr Cantor ſah dagegen auf das Gedeihen und Wachſen des Thieres mit fröhlichem Behagen, und wenn er Abends einmal zum Gaſthof des Herrn Minder ging, ſprach er jedesmal mit anderen Gäſten ein Langes und Brei⸗ tes darüber.
Der Spätherbſt war gekommen. Man hatte die Kartoffelernte been⸗ det, und in Feld und Garten gab es nur noch ſelten etwas zu thun. Meiſter


