Jahrgang 
3 (1867)
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Von C. W. Stuhlmann. 9

mel, du biſt hier Senator in Klatſchberg und leideſt, daß ein hergelaufener Vagelbunt uns das ganze Volksfeſt ruinirt und dir, ſo zu ſagen, das Brod vor dem Munde wegſtiehlt? eiferte die Frau Senatorin.

Die Männer fanden, daß ihre Gattinnen recht geſprochen, und ſo er⸗ hielt denn der Stadtknecht vom Herrn Senator den Befehl, des Jungen Le⸗ gitimationspapiere zu prüfen, falls dieſe mangelhaft, ihn auf's Thor zu brin⸗ gen, wo nicht ihn einfach vom Platze fort zu weiſen. Die Papiere waren in Ordnung, und ſo wurde dem kleinen Savojarden nur ſtreng bedeutet, ſich fortzuſcheeren. Herr Kaufmann Kilian jedoch, nicht zufrieden mit dieſem Ausgange, zerſchlug zuvor noch den kleinen Tiſch, worauf der Affe ſeine Künſte producirt hatte, und ſein Sohn Caspar, ein rothhaariger Burſche von

fünfzehn Jahren, riß in Nacheiferung der Großthaten ſeines Vaters, dem

Savojarden eine Handvoll Haare aus, und die Kette, woran er den Affen leitete, aus der Hand. Das Thier, dem Caspar noch einen derben Hieb mit auf den Weg gegeben, ſprang erſchrocken in das ſeitwärts ſtehende hohe Korn. Jeronimo trollte jammernd ſich vom Platze fort, aber Herr Kilian und ſein Sohn und noch manche andere wackere Klatſchberger lachten und erfreuten ſich der wieder hergeſtellten Ordnung.

Bald war nun alles wieder im gewöhnlichen Geleiſe. Die Wirthe

connten kaum ſo viel einſchenken, als gefordert ward, und Herr Kilian und

ſeine Collegen konnten ihr Roulette kaum ſo raſch umdrehen, als ihre zahl⸗ reichen Spieler es wohl wünſchenswerth gemacht hätten.So gehört es ſich im Klatſchberger Volksfeſt, ſo iſt Vergnügen dabei, bemerkte die Lö⸗ wenwirthin.Laßt ihn auf den Volksfeſten in Bramſilgen und in Ame⸗ rika ſeinen Affen tanzen laſſen, da ſind ſie ja zu Hauſe, bemerkte witzig die Frau Senatorin gegen ihren Protegé, den Herrn Johann Sebaſtian. Ja, ja, Braſilien und Guinea, dieſes ſind die eigentlichen Affenländer, entgegnete der Cantor,da hat man ganze Wälder voll von dieſen Thieren. Da iſt der Pavian, der Orangutang, der Mandrill et cetera et cetera. Man begreift alle dieſe Beſtien unter dem Sammelnamen Vierhänder, oder wie wir Gelehrten uns auszudrücken belieben: quadrumana. Ein äußerſt erfreuliches Wetter heute, hochverehrteſte Gönnerin. Herrn Senator ſtehen die Schweißtropfen bereits ſo dicht vor der Stirn, wie die Fettaugen auf einer Hammelfleiſchſuppe.

Seitwärts vom Feſtplatze, auf einem umgeſtürzten Markſteine, unter einem dichten Kreuzdornbuſch, ſaß während deſſen der kleine Jeronimo und