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10 Gott ſteuert die Bäume, daß ſie nicht in den Himmel wachſen.
weinte bitterlich. Sein Pudel lag neben ihm, ſchaute ihm traurig hin und wider in die Augen und leckte ihm die ſchlaff herabhängende linke Hand, welche Herr Kilian in ſeinem Rechtseifer etwas ſcharf angefaßt und dadurch ein wenig blutig geſchunden hatte. Hin und wider hielt Jeronimo gewalt⸗ ſam ſeine Thränen ein, und ließ, indem er zwei Finger ſeiner rechten Hand in den Mund ſteckte, einen ſcharfen Pfiff ertönen, dann rief er auch wohl: „Jacobo! Jacobo!“— ſo hieß nämlich der Affe,— und da dieſer nichts von ſich hören ließ, ſo verfiel er bald wieder in eine neue, verſtärkte Wehklage.
Plötzlich bemerkte Jeronimo, daß er ſich nicht mehr allein befand. Zwei Kinder, ein blondhaariger, ſchlanker Bube und ein ſchwarzhaariges, um einige Jahre jüngeres Mädchen, ſtanden dicht vor ihm.„Haſt du deinen Affen noch nicht wieder?“ fragte der Knabe, indem er die Hand, welche der Pudel bisher geleckt hatte, mit ſeiner Rechten faßte und in die Höhe hob und gleich⸗ zeitig ſeine Linke auf den Kopf des Hundes legte. Jeronimo ſah den Fra⸗ genden mit ſeinen großen, runden, dunkeln Augen an, ſchüttelte dann den Kopf und zeigte mit der Rechten auf das Kornfeld.—„Minchen und ich wollen ihn dir einfangen helfen,“ ſagte nunmehr Gottlieb, während er gleich⸗ zeitig ein wenig ſeitwärts trat, damit Jeronimo ſeine Begleiterin, welche ſich immer noch ein wenig im Rückhalt hielt, recht ſehen möge.
Gottlieb hatte plattdeutſch geredet, und Jeronimo verſtand keine Silbe dieſer Sprache, aber dennoch verſtand er ſofort, weßhalb Gottlieb und Min⸗ chen gekommen waren. Es wurde ihm plötzlich ganz munter um's Herz. Mit dem Rücken der Hand wiſchte er ſich die Thränen aus den Augen, warf mit einer kecken Kopfbewegung die langen, dunkeln Locken, welche ihm über
das Geſicht gefallen waren, in den Nacken, ſprang den Stein hinauf, ſteckte
die Finger in den Mund und pfiff lauter und ſchriller, als je zuvor in das Feld hinein.
Ein leiſes Quieken ertönte aus nicht allzu weiter Ferne. Ein Lichtblitz flog über das Geſicht des kleinen Savojarden, er hob den Finger der Rechten in die Höhe und deutete, indem er Gottlieb und Minchen mit einer dankbar fröhlichen Miene anſah, nach jener Seite, von woher der Ton erſchollen war.„Jacobo!“ ſagte er leiſe, und dann die Grimmaſſe des Eſſens ma⸗ chend, fügte er hinzu: Jacobo, Apfel!“—
„Sogleich werde ich einige holen,“ rief Minchen eifrig,„unſer Garten iſt hier ganz dicht zur Hand. Es ſind auch reife Aprikoſen dort; frißt er die auch?“— Und im Nu wandte ſie ſich und rannte fort, und nach wenigen
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