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Von C. W. Stuhlmann.
es iſt zu bemerken, daß der Tanz in dem linksſeitigen Pferche nur einen
Schilling koſtet, während in dem zur rechten Hand ein Groſchen dafür ge⸗ fordert wird. Dieſe Einrichtung macht es möglich, daß auch Bürgertöchter an dieſem Tage ein Tänzchen„abtreten“ können, denn die Chapeaus der dienenden Töchter des Landes ziehen aus ökonomiſchen Gründen den linken Pferch vor, und ſo bleibt derjenige zur Rechten der beſſeren Claſſe reſervirt.— Das Volksfeſt iſt für Klatſchberg ein wichtiger Tag, weniger des Ver⸗ gnügens als der Nützlichkeit halber. Eine Menge der Bürger erntet davon, und namentlich werden dann durch das Roulette alle hartnäckigen Laden⸗ hüter zu brillanten Preiſen an den Mann gebracht. Deßhalb intereſſiren ſich denn auch die Väter der Stadt, zumal der eine Herr Senator ſelber mit
Buüäckerwaaren und Getränken, der andere aber mit einem Roulette und Por⸗
cellain⸗ und Glaswaaren auf dem Feſtplatze ausſteht, ernſtlich für die Sache und es wird denn auch alljährlich eine Commiſſion ernannt, welcher die Lei⸗ tung der Feſtlichkeiten, ſo weit dieſe einen öffentlichen Charakter tragen, ob⸗ liegt. Dieſer Commiſſion wird aus gemeinem Stadtſäckel eine Summe an⸗ gewieſen, wovon die Koſten der Feſtverherrlichung zu beſtreiten ſind, und ein billig denkender Menſch muß zugeſtehen, daß mit dieſer Summe gar man⸗ cherlei ausgerichtet wird.
Das Feſt war in dieſem Jahre ganz ungemein vom Wetter begünſtigt,
und ſo hatten zahlreiche Beſucher ſich eingefunden. Gottlieb und Heinrich waren denn auch zur guten Zeit auf dem Platz, und in der Schenkbude des Schuſterkrügers finden wir ſie gemeinſam hinter einem Glaſe Maldriahn,
eeinem von dem Wirthe ſelber gebrauten Madeira, ſitzen.„Nun trink' doch,
Gottlieb,“ ſagt der Kleine, indem er ſeinem Kameraden das Glas zuſchiebt, „dem Wirthe darf nichts geſchenkt werden, und mir iſt das Zeug zu kratzig. Dem geht es auch wie manchen anderen Sachen: der Name iſt das beſte daran.— Das iſt aber recht von dir, daß du dich zum Sacklaufen zu gut gehalten haſt. Mach' dich zum Eulenſpiegel und ſie werden bald Schindlu⸗ der mit dir ſpielen.— Allens zum Vergnügen! ſagte Weber Klau unb ging mit'nem Putſchenellerkaſten.— Deine ſelige Mutter hätte es auch niemals von dir gefordert, Gottlieb; das konnte nur eine Stiefmutter thun.— Nach dem Schwein würde ich in deiner Stelle aber mitgreifen.“—
„Das werde ich auch,“ erwiderte Gottlieb,„obſchon es mir gewiß nichts helfen wird. Du ſollſt ſehen: das Schwein kriegt wieder niemand anders als Auguſt Knuth.“—„Ja, drei Jahre hinter einander hat er es


