Gott ſteuert die Bäume, daß ſie nicht in den Himmel wach
Kiefern wachſen nur einige als Zierbäume im herzoglichen Amksgarten. Ein hübſcher See begrenzt nach der Nordſeite den Ort; um die anderen drei Seiten ſchlängelt ſich bald näher, bald ferner ein munterer Fluß, welcher an ſeinen Ufern üppig grüne Wieſen angeſetzt hat.
Vor dem Steinthor zieht ſich bis dicht an die Stadt hinan der Haſel⸗ berg, ein nicht unbeträchtliches, der ſtädtiſchen Commüne gehörendes Gehölz. Darüber iſt ganz Klatſchberg einig: ein Holz wie der Haſelberg wird von keiner anderen Stadt im ganzen Ländchen beſeſſen. In der That, das Ge⸗ hölz iſt recht hübſch. Es ſtehen gewaltige, dichtbelaubte Buchen und hohe, ſchlanke Eſchen darin, und dabei hat das ungewöhnlich fruchtbare Erdreich allenthalben einen üppigen Aufſchlag von Unterholz hervorgerufen, unter welchem wieder hunderte von duftigen Blumen und Kräutern wachſen und wuchern. Das Terrain iſt dabei durchweg hügelig, und ſo iſt ſtets Abwech⸗ ſelung in der Beleuchtung des Baumgrüns. Hier ſchaut man an hohen, glatten Stämmen in die dichtbelaubte grüne Wölbung hinauf, dort blickt man über ſonnig beſchienene Wipfel fort auf grüne, ſtille Wieſen, auf den Fluß mit ſeinen Frachtkähnen, auf die weithin ſich ſtreckende Gemeinweide, die von zahlreichen Heerden bedeckt iſt, und auf das öde, dunkle Haidemoor, und in der fernſten Ferne tauchen aus bläulichem Nebelduft die hohen, ſpitzi⸗ gen Thürme der alten, ehedem mächtigen und einſt dem Bunde der Hanſa angehörigen Stadt Wunderberg auf.
Um Pfingſten aus feiert Klatſchberg ein öffentliches Vergnügen, wel⸗ ches das Volksfeſt genannt wird. Dieſes Feſt genießt eines gewiſſen Rufes
und ſelbſt zwei, drei Meilen weit, ja ſogar von Wunderberg her, kommen ₰
dazu Beſucher.*
Mitten im Haſelberg iſt ein großer, ebener, mit Raſen überwachſener Platz, auf dem nur hier und dort eine maleriſche Baumgruppe ſteht. Da⸗ ſelbſt werden dann hölzerne Buden und Zelte aufgeſchlagen und in ihnen halten theils die Gaſtwirthe des Städtchens Speiſen und Getränke feil, theils aber legen auch die Kaufleute allerlei Waaren darin aus, welche ſie mittelſt eines Roulettes ausſpielen. Inmitten des Kreiſes der Buden und Zelte befindet ſich ein großer, mit Brettern abgelegter und mit Latten um⸗ zäunter Tanzplatz, welcher durch eine mit belaubten Zweigen durchflochtene Barriere in zwei gleich große Räume abgetheilt iſt. Der Herr Stadtmuſi⸗ kus und ſeine Geſellen ſpielen hier von einer hochbeinigen, baufälligen Tri⸗ bune herunter, von Nachmittag bis in die Nacht hinein zum Tanze auf, und
—


