Jahrgang 
3 (1799)
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mit ihr fluͤſtert, vermuthlich uͤber mich. Und doch, Mutter, kann ich ihn nicht haſſen! Ach es iſt unmoͤglich. Zum großten Ungluck ſpricht meine Phantaſie im Traume zu ſeinem Vor⸗ theil. Dann ſage ich ihm, wie ich ihn lie⸗ be. Meine Hand ruht dann in der ſeinen, er druckt ſie wie damals, als ich ſeine Thraͤnen um mich erblickte. Am Tage ſehe ich ihn mit dieſem Eindruck eines ſo ſeligen Traums, der mich noch wachend begluͤckt, und moͤchte hinei⸗ len zu ihm, moͤchte ſeine liebe Wend einen Au⸗ genblick in die meine ſchließen, Und mich gluͤck⸗ lich fuͤhlen. Schon zweimal bin ich in meiner Stube geblieben, wenn er da war, unter dem Vorwande eines heftigen Kopfwehs. Das iſts gerabe nicht, was mich krank macht, aber krank bin ich doch gewiß auch. Dann kommt Oheim Ludwig zu mir, beklagt mich, und ich muß mir immer Vorwuͤrfe machen, daß ich ſelbſt fuͤhllos gegen ſeine Liebe bin, ob ich gleich mit jedem Tage mehr Beweiſe davon ſehe..