Jahrgang 
3 (1799)
Einzelbild herunterladen

356

zen den Vorzug gab, war ich k zufrieden und gluͤcklich. Ich hielt dieſe Liebe füͤr Wohl⸗ gefallen und Bewunderung, die ſo ſtill in mei⸗ nem Herzen ſchlummerte. Jetzt, da ſich alles geändert hat, da Bernheim es nun zeigt, daß er Bertha liebt, da ich dies in jeder Fruͤhſtun⸗ de von der Tante und ihr ſelbſt hoͤre, da er ſich mit deutlichen Worten ſchon fur ſie er⸗ klärt und geſagt hat: er wolle bald ſein Gluͤck von der Tante erbitten; da ich die zärtlichen Ansdruͤcke unaufhoͤrlich wiederholen hoͤre, die er Bertha ſagt, und mich, gegen ſie, mit ei⸗ nem girrenden Täubchen verglichen hat, das dem Oheim Ludwig die Geheimniſſe des Het zens klagte, jetzt kann ich nicht ohne den groß⸗ ten Kunmer ſeinen Anblick ertragen. Noch begegnen mir ſeine Blicke! aber kalt, achtlos ſtreifen ſie an mir hin, und ruhen ſie ja einen Augenblick ſeſt, ſo iſts nur dann, wenn ich mit dem Oheim Ludwig ſpreche. Wird er ge⸗ wahr, daß ich es bemerke, gleich wendet er ſich zu Bertha, die er luſtig umtaͤndelt, und